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20.01.2015

09:49 Uhr

Wasserstraße

Ausbau des Panamakanals wird deutlich teurer

Der Ausbau des Panamakanals wird schon seit Längerem behindert. Jetzt wurde bekannt, dass er deutlich mehr kosten wird als geplant. Baufirmen meldeten einen zusätzlichen Milliardenbedarf an.

Ein Containerschiff passiert den Panamakanal bei der Pedro Miguel-Schleuse in Panama-Stadt. Bis heute gilt der Kanal als eines der wagemutigsten und faszinierendsten Bau-Projekte aller Zeiten. dpa

Ein Containerschiff passiert den Panamakanal bei der Pedro Miguel-Schleuse in Panama-Stadt. Bis heute gilt der Kanal als eines der wagemutigsten und faszinierendsten Bau-Projekte aller Zeiten.

CocolíDer Ausbau des Panamakanals wird voraussichtlich deutlich teurer als geplant. „Wir werden das Budget überziehen, wir wissen nur noch nicht, wie stark“, sagte Projektmanager Ilya Espino am Montag vor Journalisten. Der Chef der Kanalverwaltung, Jorge Quijano, sagte ebenfalls, das Projekt werde „mehr kosten als ursprünglich geplant“.

Das Firmenkonsortium GUPC hat bereits zusätzliche Ausgaben in Höhe von insgesamt 2,39 Milliarden Dollar (2,06 Milliarden Euro) angemeldet. Eine Kommission, die zwischen den Firmen und deren Auftraggebern vermittelt, hat davon bisher 227 Millionen Dollar genehmigt. Ursprünglich sollte die Kanalerweiterung 5,25 Milliarden Dollar kosten.

Die Geschichte des Panamakanals

Der Kanal

Vor 100 Jahren passierte zum ersten Mal ein Schiff offiziell den Panamakanal. 85 Jahre lang kontrollierten die USA die Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Seit 2000 steht der Kanal unter panamaischer Verwaltung. Derzeit wird er für eine neue Generation von Frachtschiffen ausgebaut.

23. Februar 1903

Der US-Senat billigt das Abkommen zum Panamakanal.

1904

Das Ingenieurscorps des US-Heeres beginnt mit dem Bau des Kanals.

15. August 1914

Die „SS Ancon“ passiert als erstes Schiff offiziell den Panamakanal. Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden die Eröffnungsfeierlichkeiten allerdings abgesagt.

14. - 23. August 1928

US-Abenteurer Richard Halliburton schwimmt durch den Panamakanal und zahlt mit 36 Cent die niedrigste jemals entrichtete Passage-Gebühr.

12. Mai 1963

Nach der Installation von Lampen am Culebra Cut und den Schleusen nimmt der Kanal den 24-Stunden-Betrieb auf.

9. Januar 1964

Bei Protesten gegen die US-Verwaltung des Kanals kommen 22 Panamaer und vier US-Bürger ums Leben.

7. September 1977

Unterzeichnung des Torrijos-Carter-Vertrags. Das Abkommen sieht die Gründung einer binationalen Kanal-Verwaltung vor und schreibt die endgültige Übergabe des Kanals an Panama für Ende 1999 fest.

1. Oktober 1979

Der Torrijos-Carter-Vertrag tritt in Kraft. Panama erlangt die Souveränität über sein gesamtes Staatsgebiet zurück.

20. Dezember 1989

Um den in Drogengeschäfte verwickelten Machthaber Manuel Noriega zu stürzen, marschieren US-Truppen in Panama ein. Erstmals in der Geschichte des Kanals wird der Verkehr für über 29 Stunden eingestellt.

1994

Per Verfassungszusatz wird die heutige Kanalverwaltung (ACP) geschaffen. Die Behörde ist unabhängig, überweist aber einen großen Teil der Einnahmen an die Staatskasse.

31. Dezember 1999

Die USA übergeben die Kanalverwaltung an Panama.

22. Oktober 2006

Ein Volksentscheid zur Erweiterung des Kanals wird mit großer Mehrheit angenommen.

3. September 2007

Beginn des Kanalausbaus.

Februar 2014

Wegen eines Streits zwischen der Kanalverwaltung und dem Baukonsortium Gupc über Zusatzkosten stehen die Arbeiten für zwei Wochen still. Mit dem Abschluss des Ausbaus wird Ende 2015 gerechnet.

Das Projekt wird seit Längerem durch Bauverzögerungen, Streiks und immer wieder auch Streit über Zusatzkosten behindert. Eigentlich sollte der 2007 begonnene Ausbau schon im vergangenen Jahr fertig werden; inzwischen wird als Termin der Jahresanfang 2016 anvisiert.

Ziel des Projektes ist es, den 1914 eröffneten Kanal zu verbreitern, um größeren Containerfrachtern die Durchfahrt zu ermöglichen. Dazu wird eine dritte Schleusen-Anlage eingebaut. Der Panamakanal verbindet Pazifik und Atlantik und macht auf diese Weise für Schiffe den teuren und schwierigen Weg um das Kap Hoorn an der Südspitze Amerikas überflüssig. Schätzungen zufolge fahren rund fünf Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs durch den Kanal.

In der Nachbarschaft bekommt der Panamakanal bald Konkurrenz: In Nicaragua begannen im Dezember die Bauarbeiten für einen Kanal zwischen dem Pazifischen Ozean und der Karibik. Er soll am Ende für noch deutlich größere Containerschiffe geeignet sein als der Panamakanal nach dem Ausbau. Der Nicaraguakanal soll in fünf Jahren fertig sein und rund 50 Milliarden Dollar kosten. Hinter dem Projekt steht die chinesische Betreibergesellschaft HKND.

Von

afp

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