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21.07.2014

14:15 Uhr

Welt-Aids-Konferenz

Kein Heilmittel gegen Aids in Sicht

Neue Medikamente haben HIV-Infektionen einen Teil des Schreckens genommen. Bei der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne erteilen Experten allen Hoffnungen auf eine wirkliche Heilung aber einen Dämpfer.

Auch wenn Aids einen Teil seines Schreckens verloren hat, besiegt ist die Krankheit längst noch nicht. Reuters

Auch wenn Aids einen Teil seines Schreckens verloren hat, besiegt ist die Krankheit längst noch nicht.

BerlinEine baldige Heilung von HIV ist auch 30 Jahre nach der Entdeckung des Virus nicht in Sicht. „Eine Heilung für mit dem HI-Virus infizierte Menschen in aller Welt? Das wird noch viele, viele Jahre dauern“, sagte Aids-Experte Steven Deeks von der Universität von Kalifornien am Montag auf der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne.

Die permanente Eliminierung der HI-Viren scheitert bislang vor allem daran, dass sie, in Reservoiren im Körper versteckt, jahrelang schlummern können. In welchen Zellen genau, wissen die Experten noch nicht. Forscher um den Virologen James Whitney von der Harvard Medical School in Boston konnten zuletzt in einer im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie zeigen, dass bei Affen solche Reservoire sehr schnell entstehen, nachdem sie sich mit einem HIV-ähnlichen Virus infiziert haben.

Kampf gegen Aids - eine Chronologie

1959

Ende der 1950er Jahre entnehmen Ärzte einem Mann im Kongo eine Blutprobe. Jahrzehnte später wird festgestellt, dass sich darin HIV-Antikörper befinden.

1981

Die US-Gesundheitsbehörden melden, dass immer mehr Homosexuelle unter bis dahin seltenen Infektionen und Hauttumoren leiden. Die Erkrankten sollen Sex mit vielen verschiedenen Menschen gehabt haben.

1982

Krankheitsfälle treten auch bei Drogenabhängigen und Blutern auf. Die Krankheit bekommt den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom). Erste Aids-Diagnose in Deutschland.

1983

Luc Montagnier und seinen Kollegen vom Pasteur-Institut in Paris gelingt es, das Aids-Virus zu isolieren. Montagnier erhält dafür später den Nobelpreis.

1984

Der US-Forscher Robert Gallo entwickelt ein Zellkultursystem und schafft damit die Voraussetzung für die Entwicklung erster Aids-Tests.

1985

Die erste internationale Aids-Konferenz tagt. 27 Millionen deutsche Haushalte bekommen Informationsbroschüren zugeschickt.

1986

Experten bezeichnen den Aids-Erreger einheitlich als HIV (Human Immunodeficiency Virus, Humanes Immunschwächevirus).

1987

Das erste Aids-Medikament AZT wird in den USA und wenig später auch in Deutschland zugelassen. Es kann die Virus-Vermehrung etwas bremsen, Aids aber nicht heilen.

1991

Die rote Schleife (Red Ribbon) wird zum internationalen Aids-Symbol. Queen-Sänger Freddie Mercury stirbt an Aids.

1993

Tom Hanks spielt in dem Film „Philadelphia“ einen homosexuellen und HIV-positiven Rechtsanwalt – und bekommt dafür ein Jahr später den Oscar.

1994

Ein jahrelanger Streit zwischen Frankreich und den USA um die Entdeckung von HIV und die Aufteilung der Gewinne aus dem Verkauf von Aids-Tests wird beendet.

1996

Für Aufsehen sorgt die Entdeckung, dass einige Menschen eine genetisch bedingte, wenn auch nicht vollständige HIV-Resistenz haben.

1999

Schweizer Ärzte haben außergewöhnlichen Erfolg mit der Hochdosis-Kombinationstherapie aus mehreren Aids-Medikamenten (HAART), in der Folge wird diese Strategie zur Standardbehandlung.

2002

Der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria wird zur Finanzierung nationaler Maßnahmen gegen diese Krankheiten gegründet.

2003

Mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid (Handelsname Fuzeon) kommt in den USA und der EU eine vierte Klasse von Aids-Medikamenten auf den Markt, nach den sogenannten Nukleosiden, Protease-Hemmern und Transkriptase-Hemmern.

2008

Luc Montagnier wird gemeinsam mit Françoise Barré-Sinoussi für die Entdeckung von HIV der Medizin-Nobelpreis verliehen.

2010

Barack Obama hebt das in den USA seit 1987 geltende Einreiseverbot für HIV-Positive auf.

2014

Bei dem als geheilt geltenden „Mississippi-Baby“ entdecken Ärzte erneut das HI-Virus. Das Mädchen war kurz nach der Geburt mit drei Medikamenten behandelt worden, nach einem halben Jahr entzog es die Mutter einer weiteren Therapie. Monate später war das Kind dennoch virenfrei gewesen.

Doch auch wenn eine Heilung in absehbarer Zeit wohl nicht möglich sein wird, zeigte sich die Vorsitzende der Welt-Aids-Konferenz, Françoise Barré-Sinoussi optimistisch. Die Aidsforschung mache große Fortschritte, betonte Barré-Sinoussi. Und die US-Virologin Deborah Persaud erinnerte in Melbourne daran, dass auch Rückschläge die Forscher entscheidend voranbrächten.

Persaud gehörte zu den Forschern, die das sogenannte Mississippi-Baby behandelte. Das Kind galt als funktionell geheilt, bevor 27 Monate nach Ende der Medikamentenbehandlung plötzlich doch wieder HI-Viren im Blut festgestellt wurden. Die ernüchternde Nachricht kam eine Woche vor der Aids-Konferenz.

„Trotzdem, ein spektakuläres Ergebnis“, sagte Persaud über die lange virenfreie Zeit. „Das müssen wir noch verbessern.“

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