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29.10.2015

12:55 Uhr

Weltraum-Mission D1

„Es hätte genauso uns treffen können“

Spaceshuttle unter deutschem Kommando: Vor 30 Jahren startete die erste von Deutschen geleitete Weltraummission. Erst später stellte sich heraus, dass die Astronauten der D1-Mission nur knapp einer Katastrophe entgingen.

Am 28. Januar 1986 explodierte die US-Raumfähre Challenger beim Start. Knapp drei Monate zuvor hatte sie die Astronauten der D1-Mission ins All gebracht. ap

Challenger-Katastrophe

Am 28. Januar 1986 explodierte die US-Raumfähre Challenger beim Start. Knapp drei Monate zuvor hatte sie die Astronauten der D1-Mission ins All gebracht.

Oberpfaffenhofen/StuttgartOberpfaffenhofen statt Houston: Als vor 30 Jahren, am 30. Oktober 1985, die US-Raumfähre Challenger in die Weiten des Weltalls startet, haben erstmals Deutsche das Kommando über so eine Mission. Die Anweisungen für die acht Astronauten kommen nicht aus Texas, sondern aus dem Kontrollzentrum westlich von München. Doch beinahe hätte die Mission ein katastrophales Ende gefunden.

Beim nächsten Abflug, keine drei Monate später, explodierte die Challenger 73 Sekunden nach dem Start. Sieben Menschen starben im Feuerball am Himmel. „Es hätte genauso uns treffen können“, sagt Ernst Messerschmid (70) aus Reutlingen, der als deutscher Astronaut mit der D1-Mission ins All fliegt. Wie sich später herausstellte, waren auch beim deutschen Flug jene Dichtungsringe teils durchgeschmort, die als Auslöser der Challenger-Katastrophe ausgemacht wurden.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Etwas Angst sei schon dabei, bei so einem Start, erzählt Messerschmid mit Blick auf den Abflug von Cape Canaveral in Florida. „95 Prozent um einen herum ist hochexplosiver Treibstoff.“ Letztlich habe man als Astronaut aber generell jede Menge Vertrauen in Technik. Außerdem sei für Angst nicht wirklich Zeit gewesen, schließlich galt es, sich schon beim Aufstieg auf die ersten von 80 geplanten Forschungsversuchen zu konzentrieren.

Wie beeinflusst die Schwerelosigkeit den Körper, wollen Mediziner wissen. Lassen sich Kristalle für Halbleiter im All besser herstellen als auf der Erde? Und Kommunikationstechniker forschten an Atomuhren, die zur Grundlage für die GPS-Technik und die Navigation wurden.

Kopf des Experimentierbetriebs im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen ist Ulf Merbold (74), der zwei Jahre zuvor mit der Nasa als erster Westdeutscher ins All geflogen war. „Wir waren völlig euphorisch“, erinnert sich Merbold später.

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