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26.04.2016

19:43 Uhr

Weltraumbahnhof Wostotschny

Russlands neues Tor ins All ist startklar

VonAndré Ballin

Am Mittwoch soll die erste Rakete von Russlands neuem Weltraumbahnhof Wostotschny abheben. Für das Lieblingsprojekt von Präsident Putin wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Doch der Bau war nicht frei von Skandalen.

Transport der Sojus-2 zur Startrampe von Wostotschny. dpa

Weltraumbahnhof Wostotschny

Transport der Sojus-2 zur Startrampe von Wostotschny.

MoskauGottes Segen hat er, zumindest den der russisch-orthodoxen Kirche:  Der Raketenträger Sojus-2 wurde einen Tag vor dem Start von Lukian, dem Bischof von Blagoweschtschensk und Tynda, geweiht.

Raketenweihen sind in der zu Sowjetzeiten zutiefst atheistischen Rüstungs- und Weltraumindustrie nichts Ungewöhnliches mehr – das Moskauer Patriarchat hat sogar schon Atomraketen den Segen erteilt – doch dieser Start ist schon etwas Besonderes. Erstmals startet am Mittwoch eine Rakete von Russlands neuem Weltraumbahnhof Wostotschny.

Die Pannenserie der russischen Raumfahrt

Mai 2015

Eine Proton-M-Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten an Bord stürzt kurz nach dem Start über Sibirien ab.

April 2015

Eine Sojus-Trägerrakete versagt bei dem Versuch, einen Progress-Versorgungstransporter auf den Weg zur Raumstation zu bringen. Der außer Kontrolle geratene Transporter verglüht wenige Tage später in der Erdatmosphäre.

Februar 2013

Nur 20 Sekunden nach dem Start von einer schwimmenden Plattform im Pazifik stürzt eine Rakete mit einem Kommunikationssatelliten ins Meer. Experten vermuten, dass die russischen Antriebssysteme versagten.

August 2012

Durch einen Fehler bei der dritten Stufe der russischen Proton-Trägerrakete geraten ein russischer und ein indonesischer Satellit in eine falsche Umlaufbahn. Roskosmos kostet der Fehlstart rund 150 Millionen Euro.

Januar 2012

Die 120 Millionen Euro teure Marsmondsonde „Phobos Grunt“ stürzt unkontrolliert in den Pazifik. Eine Mischung aus menschlichem Versagen und technischen Fehlern soll die Ursache gewesen sein.

Januar 2012 - 2

Wegen einer undichten Landekapsel und einem Kurzschluss nach einem Kabelbruch verschiebt Russland zwei bemannte Weltraumflüge und den Start einer Trägerrakete mit einem Satelliten. Durch die Pannen müssen drei der sechs Crew-Mitglieder der Internationalen Raumstation ISS einen Monat länger als geplant im All bleiben.

Dezember 2011

Wegen einer fehlerhaften Zündung der dritten Stufe einer Sojus-Rakete verliert Russland einen militärischen Kommunikationssatelliten. Der „Meridian“-Satellit stürzt in Sibirien ab. Der Schaden wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.

August 2011

Ein unbemannter Versorgungstransporter mit 2,6 Tonnen Nachschub für die ISS stürzt ab. Kurz nach dem Start des Raumschiffs vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan traten Probleme mit der Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete auf. Erst wenige Tage zuvor war kurz nach dem Start von Baikonur der Kontakt zu einem Nachrichtensatelliten abgerissen. Der „Express AM-4“-Satellit stürzt im März 2012 in den Pazifik.

Dezember 2010

Wegen des Fehlstarts einer Proton-Rakete in Baikonur verliert Russland auf einmal drei Satelliten für sein geplantes Navigationssystem Glonass. Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt. Die Satelliten fallen in den Pazifik.

Entsprechend groß ist der Nervenkitzel im Kreml: Präsident Wladimir Putin werde den Raketenstart persönlich verfolgen, teilte sein Pressesekretär Dmitri Peskow am Dienstag mit, wobei er offen ließ, ob Putin dazu extra in den russischen Fernen Osten reist oder per Bildschirm aus dem noch nachtschlafenden Moskau zugeschaltet wird.

Wostotschny ist ein Projekt Putins. 2007 in Zeiten hoher Ölpreise und florierender Wirtschaft wurde es angeschoben. Mit Kasachstan gab es schon länger Querelen um das Sternen- und Steppenstädtchen Baikonur, das seit dem Zerfall der Sowjetunion von den Russen für 300 Millionen Dollar im Jahr angepachtet werden muss. Wostotschny soll die Abhängigkeit von Kasachstan verringern, auch wenn der Pachtvertrag noch bis 2050 läuft.

Moskau hat dafür weder Kosten noch Mühen gescheut. Wostotschny – „Osten“ - liegt im Amurgebiet, gerade einmal 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Diese für russische Verhältnisse südliche Lage erlaubt es, von Wostotschny schwerere Raketen als vom hauptsächlich militärisch genutzten Weltraumbahnhof Plessetzk ins All zu schießen.

Allerdings musste wegen der Abgeschiedenheit des künftigen Raketenstartplatzes auch die gesamte Infrastruktur neu errichtet werden. Eisenbahnlinien und Straßen wurden verlegt, ja eine ganze Stadt – benannt nach dem russischen Weltraumpionier (Konstantin) Ziolkowski – neu aus der Taufe gehoben. Sie soll einst die bis zu 25.000 Mitarbeiter von Wostotschny beherbergen.

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