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18.03.2016

14:49 Uhr

Weltschlaftag

Warum schlechter Schlaf schlimme Folgen hat

VonCarina Kontio

Männer schlafen tief und fest, während Frauen mit Schlafproblemen kämpfen – Klischee oder Wahrheit? Eine Forsa-Umfrage enthüllt Ergebnisse zum Schlafverhalten der Deutschen und zeigt, wie gefährlich zu wenig Schlaf ist.

Unregelmäßige Arbeitszeiten und steigender beruflicher Druck haben großen Einfluss auf die Schlafqualität. Getty Images

Unregelmäßige Arbeitszeiten und steigender beruflicher Druck haben großen Einfluss auf die Schlafqualität.

KölnZugegeben, diesen Termin hätten wir beinahe verpennt. Wäre da nicht die Mitteilung zur repräsentativen Forsa-Umfrage in unserem Postfach gelandet, die die Krankenkasse Knappschaft zum Thema Schlafen in Auftrag gegeben hat. Die Bilanz: Um unseren Schlaf ist es nicht sonderlich gut bestellt. Die Umfrage zeigt, dass 25 Prozent aller Deutschen pro Nacht durchschnittlich nur sechs Stunden schlafen, neun Prozent kommen nur auf bis zu fünf Stunden.

Damit, so heißt es in der Studie, gefährden sie auf lange Sicht ihre Gesundheit und provozieren eine geringere Lebenserwartung. Nach Einschätzung von Medizinern haben sich Schlafstörungen inzwischen zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Welche Ursachen liegen den Schlafproblemen zugrunde, warum nehmen Schlafstörungen in unserer Gesellschaft zu und was kann dabei helfen, guten Schlaf zu finden? Die Studie liefert Antworten.

Diese zehn Dinge rauben uns den Schlaf

Keine Regeneration

PCs und Smartphones vor dem Schlafengehen verhindern einen ruhigen Schlaf. Doch das ist längst nicht alles. Ein Überblick der Dinge, die den Körper noch davon abhalten, sich nachts zu regenerieren.

Trennung von Arbeit und Freizeit

Abends noch schnell E-Mails für die Arbeit beantworten oder am PC noch an einem Projekt feilen – die ständige Erreichbarkeit und die technischen Möglichkeiten, auch von daheim zu arbeiten, lassen die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. Das hindert daran, den Kopf frei zu bekommen und entspannt einschlummern zu können.

Aktivierung statt Entspannung

PCs und Smartphones verändern unser Freizeitverhalten: Statt vorm Einschlafen ein Buch zu lesen oder Fernzusehen – und dabei passiv Informationen aufzunehmen – surfen Menschen zunehmend vorm Schlafengehen im Internet. Doch beim Online-Shopping, E-Mail-Verkehr, Facebook-Chats oder Online-Spielen  muss das Gehirn sehr viele Informationen verarbeiten. Dabei wird es eher aktiviert als auf den Schlaf vorbereitet zu werden.

Dabei kann helfen die Hintergrund-Beleuchtung der Displays zu dimmen, um sich auf die anstehende Nachtruhe einzustellen. Außerdem sollte nicht im Schlafzimmer gesurft werden, um den Raum gedanklich nicht mit Aktivität in Verbindung zu bringen. Eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte man komplett auf PCs, Smartphones und Co. verzichten.

Zu viel Stress

Stressige Lebensphasen wühlen den Körper auf, und machen es nachts schwieriger, einzuschlafen. Um so wichtiger ist, es für Entspannung zu sorgen.

Angst vor der Schlafstörung

Je mehr man sich Gedanken, um die Schlafstörungen macht, desto stärker fördert man sie. So wird die Angst zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Da man denkt, in der Nacht nicht einschlafen zu können, stellt sich der Körper auf diesen Zustand ein – und man bekommt tatsächlich kein Auge zu.

Unruhiger Schlaf als Gewohnheit

Wenn Menschen lange Zeit einen unruhigen Schlaf haben, etwa weil sie gerade ein Kind bekommen haben, wird dieser Zustand für den Körper irgendwann zur Gewohnheit. So können Menschen auch Jahre nachdem ihr Baby das letzte mal nach der Flasche geschrien hat, immer noch einen unruhigen Schlaf haben. Dagegen kann eine Verhaltenstherapie helfen.

Es fehlt ein Ritual

Menschen sollen über ihre Schlafprobleme nicht grübeln, sondern ihr Verhalten ändern. Dies kann etwa ein Einschlafritual sein. So stellt etwa die obligatorische Tasse Tee oder Milch vor dem Gang zum Bett, den Körper irgendwann darauf ein, dass nun die Schlafenszeit ansteht. Dadurch kann das Einschlafen mit der Zeit leichter fallen.

Innere Uhr passt nicht

Manche Menschen können einfach nicht vor drei Uhr morgens einschlafen, weil sie Nachteulen sind. Bei ihnen stimmt die innere Uhr nicht mit dem regulären Tag-Nacht-Rhythmus zusammen. Die Schlafstörungen, die dadurch entstehen, kennen Menschen ohne dieses Problem, etwa bei einem Jetlag oder während Schichtarbeit. Der Besuch bei einem Arzt, kann helfen gegen diese Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen zu arbeiten.

Albträume

Albträume treten immer mal wieder auf – und können Menschen aus dem Schlaf reißen. Sind sie jedoch chronisch und kehren regelmäßig wieder, können dahinter psychische Probleme stecken. In diesem Fall lohnt es sich in einer Psychotherapie diesen Träumen auf den Grund zu gehen.

Zu viel Alkohol, Zigaretten und Kaffee

Alkohol, Koffein, Nikotin können Menschen um ihren Schlaf bringen. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte auf Kaffee, Zigaretten und alkoholische Getränke vor der Schlafenszeit verzichten.

Eine falsche Unterlage

Jeder Mensch ist anders – und damit auch jeder Rücken. Falsche Matratzen und Kissen können für unangenehmen Schlaf sorgen.

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch mit Schlafen. Vergeudete Zeit? Mitnichten, schließlich gehört doch der Schlaf neben dem Essen und Trinken zu unseren biologischen Notwendigkeiten, er fördert die Gesundheit und macht leistungsfähiger. Jedoch erleben laut Forsa 53 Prozent der über 1.500 befragten Bundesbürger über 18 Jahre ihren Schlaf als nicht erholsam. Sieben Stunden, so heißt es, gelten laut amerikanischer Schlafakademie als optimale Schlafdauer. Wer aber dauerhaft zu wenig oder schlecht schläft, muss mit Konsequenzen rechnen: „Wir wissen seit diesem Jahr, dass mehr als zehn Jahre zu kurzer oder zu schlechter Schlaf an die Lebenserwartung geht“, sagt Ingo Fietze, Experte der Knappschaft und Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin.

Warum das so ist? In ruhelosen Nächten schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus, die unter anderem das Herz-Kreislauf-System belasten. Weitere langfristige Folgen drohen den Schlaflosen: Übergewicht, Bluthochdruck oder psychische Erkrankungen sind nur einige weitere Beispiele. Kurzfristig kommt es außerdem zu Tagesmüdigkeit (31 Prozent der Befragten), Stimmungsschwankungen (24 Prozent der Befragten) oder Konzentrationsproblemen (20 Prozent der Befragten).

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