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12.01.2005

13:50 Uhr

Forschung + Medizin

Weltweit neues OP-Verfahren in Berlin vorgestellt

Ein weltweit einzigartiges Operationsverfahren, das die Vorteile von Arzt und Roboter vereint, ist am Mittwoch an der Berliner Charité vorgestellt worden. Das patentierte System namens „Navigated Control“ erlaube dem Arzt, die Instrumente bei dem Eingriff direkt mit der Hand zu führen.

dpa BERLIN. Ein weltweit einzigartiges Operationsverfahren, das die Vorteile von Arzt und Roboter vereint, ist am Mittwoch an der Berliner Charité vorgestellt worden. Das patentierte System namens „Navigated Control“ erlaube dem Arzt, die Instrumente bei dem Eingriff direkt mit der Hand zu führen.

Zudem schalteten sich die Fräsen, Bohrer oder Sägen aber automatisch ab, falls das Gerät den zuvor via 3-D-Bild festgelegten Eingriffsbereich verlasse, berichtete Prof. Tim Lüth, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. „Es kann also nie in die falsche Richtung oder zu tief gebohrt werden.“

„Navigated Control“ sei eine Weiterentwicklung des Berliner Operationsroboters Otto. „Die Idee wurde vor vier Jahren geboren und zusammen mit dem Fraunhofer Institut Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik entwickelt“, erläuterte Prof. Jürgen Bier. Die Arbeit mit Otto habe sich als zu teuer und umständlich erwiesen - auch weil der Arzt lernen musste, den Roboter zu bedienen, und die Patienten unter Narkose aufwendig fixiert werden mussten. „Das fällt jetzt alles weg. 'Navigated Control' ist mit 120 000 Euro um eine Zehnerpotenz billiger als Otto.“ Bislang wurden an der Charité sechs Patienten mit dem neuen Verfahren Zahnimplantate eingesetzt.

Der genaue Operationsverlauf wird vor dem Eingriff am Computer festgelegt. Als Markierungspunkte dienen individuell angepasste Beiß-Schienen mit Titanstiften - wie in einem Koordinatensystem kann sich der Arzt während des Eingriffs auf dem Bildschirm daran orientieren. Verlässt er den vorgesehen Operationskanal, schalten sich die Maschinen ab.

„Der Einsatz im HNO-Bereich und bei Operationen der Wirbelsäule steht als nächstes an“, berichtete Bier. Auch beim Hüftgelenkersatz habe der Arzt bislang oft „blind“ fräsen müssen, um das Implantat im Oberschenkelknochen zu verankern. „Jetzt kann er auch mit eingeschränktem Blickfeld weiterarbeiten, weil 'Navigated Control' nur den vorgesehenen Bereich ausfräst.“

Neben dem OP-Saal, sei das Verfahren aber auch in Industrie oder Modellbau einzusetzen, sagte Lüth. „Wenn man ein 3-D-Bild der gewünschten Figur hat, braucht man nur noch das Werkzeug an den Holzblock anzusetzen und die Skulptur entsteht sozusagen von allein.“

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