Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.10.2014

11:01 Uhr

Wer von Ebola profitiert

Viele Opfer und einige Gewinner

Ebola ist für die Menschen in Westafrika nicht nur eine tödliche Bedrohung, auch die wirtschaftlichen Folgen für die Region sind katastrophal. Doch es gibt auch Ebola-Profiteure, die durch das Virus reich werden.

Marktszene in Liberias Hauptstadt Monrovia. Viele Menschen wagen sich aus Angst vor Ebola nicht mehr auf belebte Plätze oder in Einkaufszentren. ap

Marktszene in Liberias Hauptstadt Monrovia. Viele Menschen wagen sich aus Angst vor Ebola nicht mehr auf belebte Plätze oder in Einkaufszentren.

Freetown/KapstadtAuch in Liberia wollte Heineken wachsen. „Open your world“ (Öffne Deine Welt) war dort auf Werbepostern des niederländischen Bierbrauers zu lesen. Doch es kam anders: Inzwischen hat Ebola das Land isoliert, ebenso wie Sierra Leone und Guinea. Die meisten Fluggesellschaften haben den Verkehr eingestellt, der Außenhandel ist zusammengebrochen, die Landwirtschaft steht vor dem Kollaps.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds befürchten einen „katastrophalen“ Rückgang von Wirtschaft und Handel in diesen ohnehin fragilen westafrikanischen Ländern. Allein in Liberia könne im kommenden Jahr das Bruttoinlandsprodukt im zweistelligen Prozentbereich absacken, in Sierra Leone um fast 9 und in Guinea immerhin noch um 2,3 Prozent.

In Liberia hat die Epidemie alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, die voriges Jahr noch um acht Prozent gewachsen war. Die Ausfuhr von Eisenerz und Latex, den beiden Hauptexportprodukten, ist fast zum Erliegen gekommen. Gefährdet ist auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Vorräte an Reis drohen Ende November auszugehen.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Ähnlich sieht es in Sierra Leone aus. Weite Teile des Landes wurden zu Quarantänezonen erklärt – in ihnen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Bauern können ihre Produkte deshalb vielerorts nicht mehr auf die Märkte oder zu Zwischenhändlern bringen.

„Diese Sachen verderben schnell, und wenn wir sie nicht verkaufen können, haben wir selbst bald nichts mehr zu essen“, sagt die Bäuerin Kadiatu Kamara im isolierten Distrikt Port Loko. „Unser Geschäft liegt am Boden, das bisschen Essen, das wir noch haben, ist bald aufgebraucht“, klagt der Kleinwarenhändler Alhaji Mansaray.

Jedoch gibt es in der Ebola-Krise nicht nur Verlierer. In Nigeria, dem mit mehr als 170 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, boomt wegen Ebola der Online-Handel. Bei Jumia, dem größten E-Commerce-Unternehmen des Landes, haben sich die Auftragseingänge für Waren des täglichen Bedarfs seit dem Virusausbruch verdreifacht. Starke Zuwächse verbuchten auch die Konkurrenzfirmen Konga und Kaymu.

Zwar registrierte das Riesenland bislang nur acht der weit mehr als 3000 Ebola-Todesfälle in Westafrika. Aber die Schreckensbilder sterbender Menschen aus den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone, Monrovia und Freetown, hätten viele Nigerianer veranlasst, große Menschenansammlungen auf Märkten oder in Shopping Malls zu meiden, berichtete das Magazin „The Economist“. Die Online-Händler profitieren nach eigenen Angaben auch durch eine stark gestiegene Nachfrage nach Sanitär- und Desinfektionsmitteln.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×