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23.03.2012

09:48 Uhr

Wernher von Braun

Der Büttenredner der Raumfahrt

Er wollte zum Mond - und schloss dafür einen Pakt mit dem Teufel. Wernher von Braun, Entwickler von Hitlers „Wunderwaffe“ V2 und Vater der Mondrakete Saturn V, wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Wernher von Braun, der führende Entwickler von Hitlers "Wunderwaffe" V2, gehörte in den USA zu den Schrittmachern des Mondflugprogramms. dpa

Wernher von Braun, der führende Entwickler von Hitlers "Wunderwaffe" V2, gehörte in den USA zu den Schrittmachern des Mondflugprogramms.

PeenemündeDas Foto zeigt einen jungen Mann in Anzug unter uniformierten Nazi-Größen. In der ersten Reihe der Aufnahme posiert Adolf Hitler, die Hände leger in die Taschen seines Ledermantels gegraben. Hinten in der Mitte der vorletzten Reihe schaut der Mann in Zivil fest in die Kamera.

Es ist Wernher von Braun (1912-1977), 22 Jahre jung, Mitarbeiter der militärischen Raketen-Versuchsstelle Kummersdorf. Nur drei Jahre nach dieser Aufnahme von 1934 hat sich von Braun als Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf Usedom von der hinteren Reihe an die Spitze der deutschen Militärraketenforschung katapultiert.

Das Foto hat Symbolwert: Die Nähe zu den politischen Eliten ist dem eloquenten und charismatischen Aristokratensohn, der am 23. März 100 Jahre alt geworden wäre, Zeit seines Lebens nicht fremd, wie der Dortmunder Techniksoziologe Johannes Weyer erläutert. Immer steht er auf der Seite der Mächtigen und profitiert davon - auch nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, für das der Physiker von Braun und sein Peenemünder Team Hitlers „Wunderwaffe V2“ entwickeln. Die „V2“ ist zugleich die erste Rakete, die am 3. Oktober 1942 mit einer Flughöhe von 84,5 Kilometern die Grenze des Alls erreicht.

In den USA führt der Forscher nach einer „Schonfrist“ und angeheizt vom Kalten Krieg seine Arbeiten fort. Mit früheren Kollegen konstruiert er die „Redstone“, die erste atomar bestückte Mittelstreckenrakete der Welt. Die Amerikaner scheinen kein Problem mit der Vergangenheit des deutschen Raketenentwicklers im Dritten Reich zu haben. Obwohl Mitglied der NSDAP und SS - und entgegen geltender US-Gesetze - erhält er 1955 die Staatsbürgerschaft der USA.

Als Know-how-Träger kommt ihm eine Schlüsselstellung in den Anfängen der US-Raketenentwicklung zu. Ein Jahr nach Gründung der Raumfahrtbehörde Nasa im Jahr 1958 wird von Braun Direktor des George C. Marshall Space Flight Centers in Huntsville. Damit steht er an der Spitze des Entwicklerteams der „Saturn“- Trägerraketen und arbeitet am Mondflugprogramm Apollo mit. 1970 - sieben Jahre vor seinem Tod - übernimmt er den Posten als Planungsdirektor bei der Nasa.

In der beispiellosen Karriere offenbart sich zugleich von Brauns Dilemma: Inspiriert von Hermann Oberths 1923 verfassten Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ und beseelt vom Flug zum Mond stellt er seine Fähigkeiten vor allem in den Dienst der Militärforschung.

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