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25.01.2007

07:06 Uhr

Werte-Studie

Bloß keine Einheitssteuer

VonKatrin Pinetzki

Wie viel sind sie bereit, von ihrem Einkommen für Schwächere abzugeben? Die Antwort auf diese Frage gibt eine neue Studie. Das Ergebnis ist eindeutig: In Deutschland herrscht eine ausgeprägte Verteilungsgerechtigkeit. Vor allem einer Gruppe würden die Deutschen gerne mehr Geld zukommen lassen.

Eindeutige Wahl: Allein erziehenden Müttern würden die Deutschen das meiste Geld geben. Foto: dpa Quelle: dpa

Eindeutige Wahl: Allein erziehenden Müttern würden die Deutschen das meiste Geld geben. Foto: dpa

DORTMUND. Eines Tages hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel genug vom Jammern über die Gesundheitsreform. "Manchmal", sinnierte sie im vergangenen Juni vor dem BDI, "habe ich Lust, leere Zettel zu verteilen. Dann können Sie aufschreiben, wie die Flüsse der Beiträge laufen, ich würde das wieder einsammeln und mir ansehen." Ob die Ergebnisse allerdings besser wären als die des Bundestages, wisse sie auch nicht, schloss die Kanzlerin resigniert.

Ob Gesundheits- oder Sozialreform, zu Themen, die alle angehen, hat jeder eine Meinung. "Die müssten mal ...", beginnen viele Stammtisch-Gespräche mit Vorschlägen, wie Politiker Probleme lösen sollten. Was sie denn mal müssten, haben Wissenschaftler der Universitäten Bamberg und München zusammen mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid systematisch erhoben.

Wie sollte das erwirtschaftete Geld (um)verteilt werden? So lautete eine der Forschungsfragen der mit 1 003 Befragten repräsentativen sozialwissenschaftlichen Werte-Studie "Ethik-Monitor", die im Auftrag der Hamburger Stiftung "Wertevolle Zukunft" Verteilungsgerechtigkeit und Einstellung zu politischen und wirtschaftlichen Institutionen beleuchtet. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor. Die Studie soll nun alle zwei Jahre wiederholt werden und langfristig offen legen, wie die Deutschen Gerechtigkeit definieren.

Wie viel sind sie bereit, von ihrem Einkommen abzugeben für diejenigen, die auf so genannte Transferleistungen angewiesen sind? Wie viel Einkommen muss einem Menschen mindestens bleiben? Und, noch spannender: Wovon sollte es abhängen, ob jemand in den Genuss fremden Geldes kommt? "Die Ergebnisse", sagt der Leiter der Studie, der zurzeit an der LMU lehrende Bamberger Professor Joachim Behnke, "zeigen, dass sich einige Parteien katastrophal darin täuschen, was die eigenen Wähler wollen."

Wer mehr verdient, muss auch mehr Steuern zahlen - ein progressiver Steuersatz ist nach Meinung der Deutschen gut und richtig. So weit stimmen Realität und Wunschvorstellung überein. Wo aber fängt man mit der Verteilung an, und wo hört sie auf? Folgt man den Untersuchungsergebnissen, ist es nach Ansicht des Durchschnittsdeutschen gerecht, das Einkommen erst ab einer Höhe von knapp 3 000 Euro anzutasten.

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