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15.06.2016

14:58 Uhr

WHO-Behörde

Keine Hinweise auf Krebs durch Kaffee

Jahrelang hat eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation Kaffee als potenziell krebserregend eingestuft. Nun rudert sie zurück - gibt aber zugleich eine Empfehlung, wie das Genussmittel nicht getrunken werden sollte.

Ein erhöhtes Krebsrisiko durch das Koffeingetränk konnten WHO-Experten nicht nachweisen. dpa

Kaffee

Ein erhöhtes Krebsrisiko durch das Koffeingetränk konnten WHO-Experten nicht nachweisen.

BerlinGute Nachricht für Kaffeetrinker: Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keine Belege für ein erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffee. Stattdessen gebe es sogar Hinweise darauf, dass das Getränk die Gefahr für zwei Tumorarten senke, schreibt die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) in ihrem am Mittwoch vorgelegten Bericht.

Für den Bericht wertete eine Arbeitsgruppe die bestehende Fachliteratur aus. Allein für Kaffee sichteten die 23 Experten etwa 500 Ernährungsstudien mit Menschen und ähnlich viele Tier- und Laborversuche.

Die IARC hatte Kaffee im Jahr 1991 als möglicherweise krebserregend eingestuft. Grundlage waren damals Studien, die eine Verbindung des Getränks mit Blasenkrebs belegten. Viele davon hätten aber nicht genügend berücksichtigt, dass Menschen, die viel Kaffee trinken, eher rauchten, räumt die Behörde nun ein. Tabakkonsum steigert das Risiko für Blasenkrebs deutlich.

Fakten und Kurioses zum Kaffee

Weltmeister im Kaffeekonsum

Spitzenreiter im Kaffeeverbrauch pro Kopf sind die Finnen mit 12,2 Kilogramm im Jahr 2015. Viele Arbeitnehmer genießen dort zweimal am Tag die 15-minütige „kahvipaussi“. Deutschland liegt nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes auf Platz 6 (7,2 Kilo).

Kaffee im All

Italien gilt als Heimatland des Espresso. Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti durfte vor einem Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS den ersten Espresso aus einer Maschine ausschenken. Ihr Urteil: Das kosmische Gebräu könnte in puncto Stärke und Aroma mit jeder Bar in ihrem Heimatland mithalten.

Kaffee aus dem Elefanten

Aus Thailand stammt die Idee, Kaffee zu kredenzen, dessen Bohnen durch einen Dickhäuter gewandert sind. Das Aroma wird als fruchtig-schokoladig beschrieben.

Kaffee aus der Katze

Kaffee aus dem Kot indonesischer Schleichkatzen ist schon etwas länger auf dem Markt. Die Tiere fressen Kaffeekirschen, also die Früchte der Pflanzen samt Samen (Kaffeebohnen). Im Magen erhalten die Bohnen – wie bei den Elefanten – durch Enzyme ihr Aroma.

50 Tassen Kaffee pro Tag

Der französische Autor Honoré de Balzac (1799-1850) soll pro Tag bis zu 50 Tassen getrunken haben. Sein früher Tod wird auch auf diesen extremen Kaffeekonsum zurückgeführt.

60 Bohnen für Beethoven

Auch Ludwig van Beethoven schwor auf Kaffee. Exakt 60 Bohnen mussten für den Komponisten mit heißem Wasser überbrüht werden, so heißt es. Eine Art Liebeserklärung an das Getränk lieferte Johann Sebastian Bach mit seiner „Kaffeekantate“.

Der neue Bericht verweist auf eine Fülle von Studien, die keine Verbindung sehen zwischen Kaffee und Tumoren von Brust, Prostata und Bauchspeicheldrüse. Für mehr als 20 andere gängige Tumore – etwa von Lunge oder Magen – könne man keine Aussage treffen, heißt es weiter. Allerdings gebe es Hinweise darauf, dass Kaffee das Risiko für Tumore von Leber und Gebärmutter senke.

In der Vergangenheit hatten Studien bereits auf andere positive Wirkungen des Koffein-Getränks schließen lassen. So verbesserte sich unter dem Einfluss von Koffein die Gedächtnisleistung von Testpersonen deutlich. In einem anderen Versuch zeigten sich Mäuse bei Gabe von Koffein weniger anfällig für Stress - ein Befund, der nach Einschätzung von Forscher auf den Mensch übertragbar sein dürfte.

„Nach derzeitiger epidemiologischer Datenlage spricht ganz klar nichts gegen einen hohen Kaffeekonsum“, bestätigt auch Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE). „Wir gehen derzeit eher von positiven Effekten aus.“

Die IARC betont allerdings, die Einstufung bedeute nicht, dass Kaffeekonsum vollkommen unbedenklich sei, sondern lediglich, dass die vorhandenen Daten keine Schlüsse erlaubten. Ähnlich bewertet das Gremium auch Mate-Tee. Mate-Produkte, die als Kaltgetränke auch in Deutschland beliebt sind, werden aus dem in Südamerika verbreiteten Mate-Strauch gewonnen. Das Trinken von heißem Mate-Tee galt seit 1991 als wahrscheinlich krebserregend.

Die Auswertung neuer Studien ergab jedoch, dass die Häufung von Speiseröhrenkrebs in Teilen Südamerikas wohl nicht auf Mate an sich zurückgeht, sondern darauf, dass das Getränk meist extrem heiß konsumiert wird. Auch in anderen Weltregionen, in denen Menschen Tee sehr heiß trinken, etwa Zentral- und Ostasien sowie Ostafrika, entwickeln auffällig viele Menschen Tumore der Speiseröhre. Weltweit ist dies die achthäufigste Krebsform.

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