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26.01.2005

20:50 Uhr

Forschung + Medizin

Wie die Venusfliegenfalle zuschnappt

Wenn die Fleisch fressende Venusfliegenfalle ihre Fangblätter blitzschnell zuschlägt, funktioniert das ähnlich wie beim Umklappen von Kontaktlinsen. Ein internationales Forscherteam hat nun genau enträtselt, warum die Venusfliegenfalle innerhalb von nur einer Zehntelsekunde zuschnappen kann.

dpa LONDON. Wenn die Fleisch fressende Venusfliegenfalle ihre Fangblätter blitzschnell zuschlägt, funktioniert das ähnlich wie beim Umklappen von Kontaktlinsen. Ein internationales Forscherteam hat nun genau enträtselt, warum die Venusfliegenfalle innerhalb von nur einer Zehntelsekunde zuschnappen kann.

Demnach verändern die Pflanzen zunächst minimal die Geometrie ihrer beiden Blatthälften, woraufhin es zu einer Art Spannungsentladung kommt, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature“ (Bd. 433, S. 421). Wie eine Kontaktlinse, die umgestülpt wird, klappen die Blatthälften dann zu und schließen die Beute unentrinnbar ein.

Der Schnappmechanismus gehört zu den schnellsten Bewegungsabläufen im Pflanzenreich. Viele Experten hatten bislang vermutet, dass eine Druckänderung im Innern der Blattzellen für das Zuschnappen der Blätter verantwortlich ist. Yoël Forterre von der französischen Université de Provence in Marseille und seine Mitarbeiter zeigten nun, dass die Falle eher durch die Änderung der Blattgeometrie ausgelöst wird.

Die Forscher malten für ihre Untersuchung zahlreiche fluoreszierende Farbpunkte auf die Blätter und filmten anschließend mit einer Hochgeschwindigkeitskamera das Zuschnappen der Blätter. Sie stellten fest, dass die Pflanze in mehreren Schritten die Wölbung ihrer Blätter von „konvex“ zu „konkav“ ändert. Zunächst sind die Blätter in einem Bogen nach außen aufgespannt. Auf den Bewegungsreiz an den Härchen hin, ändert sie auf bislang unbekannte Weise minimal die Biegung der Blätter. Von einem gewissen Punkt an kann die Spannung in den Blättern nicht länger aufrechterhalten werden - die Falle geht blitzschnell zu.

Der Mechanismus beginnt, sobald feine Härchen auf den Blättern der Pflanze berührt werden, zum Beispiel von einem ahnungslosen Insekt. Drüsen auf der Blattinnenseite scheiden nach dem Fang Verdauungssekrete aus, die ein Tier in für die Pflanze aufnehmbare Verbindungen zerlegt.

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