Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2006

10:55 Uhr

Wissenschaft

Amphibien füttern Nachwuchs mit eigener Haut

London (dpa) ­ Eine ganz besonders aufopferungsvolle Form der Mutterliebe hat ein internationales Forscherteam bei einer afrikanischen Amphibienart beobachtet: Die Weibchen von Boulengerula taitanus füttern ihren Nachwuchs mit der eigenen Haut.

London (dpa) ­ Eine ganz besonders aufopferungsvolle Form der Mutterliebe hat ein internationales Forscherteam bei einer afrikanischen Amphibienart beobachtet: Die Weibchen von Boulengerula taitanus füttern ihren Nachwuchs mit der eigenen Haut.

Diese ist außerordentlich nahrhaft und ähnelt in ihrer Zusammensetzung der Milch von Säugetieren, berichten die Forscher im britischen Fachjournal „Nature“ (Bd. 440, S. 926) von diesem Donnerstag.

Boulengerula taitanus ist in Kenia heimisch und gehört zu den so genannten Erdwühlen ­ einer Familie wurmartiger Amphibien ohne Gliedmaßen und mit einem stark zurückgebildeten Schwanz. Die Tiere legen Eier, aus denen der mit speziellen Zähnen ausgestattete Nachwuchs schlüpft. Bislang nahmen Experten an, dass die Tiere sich vom Dotter in den Eiern ernähren und die Mütter ihrem Nachwuchs über das Bewachen der Eier hinaus keine besondere Pflege zukommen lassen.

Die Wissenschaftler um Mark Wilkinson vom britischen Natural History Museum in London widerlegten diese Annahme nun, nachdem sie die jungen Mütter mit ihrem Nachwuchs im Labor genau beobachtet hatten. Sie stellten fest, dass die Jungen sich um den Leib der Mutter herumschlängeln und mit ihren Zähnen deren Haut abpellen. Etwa einen Millimeter pro Tag wuchsen die Jungtiere dank dieser Spezialkost. Die Mütter hingegen verloren innerhalb einer Woche 14 Prozent ihres Körpergewichts.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich die Zellen und das gesamte Hautgewebe der Weibchen während dieser „Hautfütterung“ verändert: Die Zellen quellen regelrecht auf und sind nicht nur reich an Eiweiß, sondern auch mit nahrhaften Fetttröpfchen gefüllt. Die Forscher vermuten, dass diese Art der Fütterung eine Zwischenstation hin zur Entwicklung im Mutterleib und damit zur Lebendgeburt sein könnte. In diesem Fall würde der Nachwuchs die Spezialzähne nutzen, um innerhalb des mütterlichen Körpers die Auskleidung des Eileiters abzuschaben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×