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05.04.2006

19:20 Uhr

Wissenschaft

Fisch mit Beinen: Fossilienfund dokumentiert den Gang ans Land

Ein neuer Fossilienfund dokumentiert einen entscheidenden Schritt beim Übergang vom Wasser- zum Landleben.

Fossilienfund dpa

Die Abbildung aus der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 440, S. 757 und S. 764) zeigt einen Fossilienfund, der einen entscheidenden Schritt beim Übergang vom Wasser- zum Landleben dokumentiert.

dpa LONDON. Ein neuer Fossilienfund dokumentiert einen entscheidenden Schritt beim Übergang vom Wasser- zum Landleben. Die Brustflossen des urtümlichen Tiers namens Tiktaalik roseae besaßen bereits einige Merkmale der Gliedmaßen späterer Landlebewesen, berichten US-Forscher im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 440, S. 757 und S. 764).

Auch der Schädel und Teile des Skeletts erinnerten bereits an die Landwirbeltiere, obwohl Tiktaalik vorrangig im Wasser lebte und sein Körper mit Schuppen überzogen war.

Die Entstehung der Landwirbeltiere ist einer der bedeutendsten Entwicklungsschritte in der Evolution. Sie vollzog sich über mehrere Mill. Jahre und es waren zahlreiche „Umbauten“ notwendig, bevor die ersten Wirbeltiere an Land überleben konnten. Fossilienfunde aus der Zeit dieses Übergangs sind rar, so dass die Wissenschaftler nur eine lückenhafte Vorstellung davon haben, wie genau die Umwandlung erfolgte.

Nördlich des Polarkreises, im kanadischen Territorium Nunavut fand das Forscherteam um Neil Shubin von Universität Chicago (US-Staat Illinois) im Jahr 2004 nun gleich mehrere gut erhaltene Exemplare einer solchen Übergangsform. Tiktaalik roseae lebte vor rund 383 Mill. Jahren, das Klima war damals subtropisch bis tropisch. Der Körper des Raubtiers war abgeflacht, und sein Schädel erinnert an ein Krokodil.

Die Brustflosse des Tiers enthielt knöcherne Strukturen und Gelenke, die das Biegen und Strecken ermöglichten. Finger oder Zehen, wie sie bei den vorderen Gliedmaßen von Landwirbeltieren bekannt sind, lassen sich allerdings noch nicht ausmachen. Stattdessen waren die Flossen wie bei den Fischen von mehreren Strahlen umsäumt. Vermutlich konnte das Tier damit aber seinen Körper aufrichten.

Auch der Nacken des Räubers war beweglich und der gesamte vordere Körperbereich nach oben biegsam. Die Rippen waren vergrößert, vermutlich um das Körpergewicht außerhalb des Wassers besser tragen zu können. Auch der Bau des Atem- und des Hörapparats deutet bereits eine Entwicklung hin zu den Landwirbeltieren an. All diese Strukturen ermöglichten es Tiktaalik in flache Gewässer vorzudringen, vielleicht das Wasser sogar kurzzeitig zu verlassen.

Tiktaalik ist ein Wort aus dem Inuktitut, der traditionellen Sprache in Nunavut, und bezeichnet einen großen Flachwasser-Fisch. Der Fund habe das Bild vom Übergang der Fische zu den Landwirbeltieren mit einem Schlag deutlich erweitert, schreiben Per Erik Ahlberg von der Universität Uppsala (Schweden) und Jennifer Clack von der Universität Cambridge (Großbritannien) in einem „Nature“-Kommentar.

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