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07.01.2007

19:55 Uhr

Wissenschaft

Fruchtwasser-Stammzellen mit Potenzial für Therapien?

Eine neue Gruppe viel versprechender Stammzellen lässt sich vor oder während der Geburt aus dem Fruchtwasser gewinnen und zum späteren Gebrauch für das Kind aufbewahren.

Neugeborenes dpa

Füße eines Neugeborenen: Vor oder während der Geburt lassen sich aus Fruchtwasser Stammzellen gewinnen (Symbolbild).

dpa LONDON. Eine neue Gruppe viel versprechender Stammzellen lässt sich vor oder während der Geburt aus dem Fruchtwasser gewinnen und zum späteren Gebrauch für das Kind aufbewahren.

Forscher unter der Leitung von Anthony Atala von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem (US-Staat North Carolina) haben daraus bereits Fett-, Muskel-, Knochen-, Nerven- und Leberzellen heranwachsen lassen. Das berichtet die Gruppe im Fachjournal „Nature Biotechnology“ (online vorab veröffentlicht).

Die Wissenschaftler sehen in den Zellen großes Potenzial. Sie stammten nachweislich vom Kind, ließen sich leicht und routiniert gewinnen und tiefgekühlt in Zellbanken aufbewahren. Falls das Kind später Bedarf an neuem Gewebe habe, ließe sich der Ersatz womöglich aus diesen Stammzellen gewinnen, die zu vielen der rund 200 Gewebe des Menschen werden können. Ähnliche Stammzellen haben Atala und seine Kollegen nach dem Ende einer regulären Schwangerschaft auch aus der Plazenta gewonnen.

In Stammzellen sehen manche Mediziner eine der größten Hoffnungen für viele Patienten. Umstritten sind dabei die besonders vielseitigen embryonalen Stammzellen, bei deren Gewinnung der Embryo in einem sehr frühen Stadium zerstört wird. So genannte adulte Stammzellen, die weniger variabel sind, gelten dagegen als unbedenklich, weil sie ohne Schaden für den Organismus gewonnen werden können. Der Studie zufolge sind die neuen Amnion(Fruchtblase)-Stammzellen nicht so flexibel wie die embryonalen, aber flexibler als adulte Stammzellen.

Atala und seine Kollegen isolierten die neuen Zellen mit Hilfe winziger Magnete. Diese koppelten sich auf Grund ihrer Oberflächenstruktur nur an die Stammzellen, die sich so aus dem Fruchtwasser herausfischen ließen. Die Zellen wuchsen in der Kulturschale und wiesen auch nach längerer Zeit keine genetischen Fehler auf, heißt es. Vor einem routinierten Einfrieren eines potenziellen „Ersatzkastens“ müsse das Verfahren aber weiter verbessert werden, schreibt die Gruppe in „Nature Biotechnology“.

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