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15.01.2007

15:40 Uhr

Wissenschaft

Hühner und Pflanzen als Arzneifabriken

Gentechnisch veränderte Hühner und Pflanzen sollen Krebsmedikamente und andere Arzneistoffe billiger und in größerer Menge herstellen als es bislang im Labor möglich ist.

Hühner  dpa

Krebsmittel könnten künftig Kosten sparend aus Hühnereiern produziert werden.

dpa WASHINGTON. Gentechnisch veränderte Hühner und Pflanzen sollen Krebsmedikamente und andere Arzneistoffe billiger und in größerer Menge herstellen als es bislang im Labor möglich ist. Britische Forscher haben in das Erbgut von Legehennen den Bauplan für Proteine eingeschleust, die etwa gegen Hautkrebs oder Viren eingesetzt werden könnten.

Belgische Wissenschaftler ließen gentechnisch veränderte Exemplare der Ackerschmalwand in den Samen Antikörper zur Behandlung von Krankheiten produzieren. Beide Gruppen präsentieren ihre Arbeiten in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“; online vorab veröffentlicht).

In beiden Fällen wollen die Forscher die aufwendige und damit teure Produktion dieser Moleküle - etwa in Kulturen tierischer Zellen oder Bakterien - ersetzen und damit billiger machen. Die Idee, Tiere oder Pflanzen als „Biofabriken“ zu nutzen, ist nicht neu. In anderen Laboren wurden bereits Kühe, Schafe und Ziegen gezüchtet, die Eiweißstoffe und Moleküle für die Medizin in ihrer Milch liefern. Helen Sang vom britischen Roslin-Institut bei Edinburgh weist jedoch darauf hin, dass Hühnereier schneller und leichter zu produzieren und pharmakologisch zu nutzen sind als etwa Kuhmilch. Bis die Gen-Hühner für die Arzneimittelherstellung genutzt werden können, dürften nach ihren Angaben aber noch wenigstens fünf bis zehn Jahre vergehen.

Die Forscherin arbeitet seit 15 Jahren an dem Projekt und hat bisher 500 genetisch modifizierte Hühner gezüchtet. Ihre Gruppe schleuste in das Gen für Ovalbumin, das mehr als die Hälfte des Eiweißes ausmacht, etwa die Bauanleitung für das Protein mir24 ein, einen Antikörper mit Potenzial für die Hautkrebsbehandlung. Andere Hühner aus dem Institut produzieren das Protein Interferon-Beta-1a, das die Vermehrung von Viren im Körper eines Patienten bremst.

Das belgische Team um Bart van Droogenbroeck von der Universität Gent berichtet, rund zehn Prozent der Samen seiner gentechnisch veränderten Ackerschmalwand bestünden aus den gesuchten Antikörpern. Diese pflanzlichen Antikörper („Plantibodies“) unterschieden sich zwar in einigen Details vom Original, erklären die Autoren in „Pnas“. Die gegen das Hepatitis-A-Virus gerichteten Moleküle aus der Pflanze hätten den Erreger aber ebenso gut neutralisiert wie herkömmliche Antikörper. Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen den Forschern zufolge die Antikörperproduktion zehn bis 100 Mal billiger machen.

Antikörper werden vom Immunsystem produziert und erkennen auf Grund ihrer Form Krankheitserreger, die sie daraufhin markieren. Das ist für andere Abwehrzellen das Signal, die Eindringlinge zu bekämpfen. Antikörper sind daher die Basis vieler Medikamente. Im Oktober 2006 hatte ein Unternehmen aus Halle ebenfalls in „Pnas“ berichtet, Antikörper gleich grammweise in Pflanzen produziert zu haben. Zuvor hatten US-Forscher unter anderem das Wachstum menschlicher Krebszellen mit Antikörpern aus Pflanzen unterdrückt.

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