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10.01.2007

19:35 Uhr

Wissenschaft

Künstliche Kugelblitze im Labor erzeugt

Brasilianische Physiker haben die bislang langlebigsten künstlichen Kugelblitze erzeugt. Die Feuerkugeln schwebten bis zu acht Sekunden durch das Labor von Antônio Pavão und Gerson Paiva an der Universität des Bundesstaats Pernambuco. Das berichtet der britische „New Scientist“ (Nr.

Kugelblitz dpa

Ein leuchtender Plasmaball steigt über einem Glasgefäß auf. Der Labor-Kugelblitz wurde in Berlin durch eine Hochspannungsentladung in einem Wasserbehälter erzeugt (Archivbild).

dpa LONDON. Brasilianische Physiker haben die bislang langlebigsten künstlichen Kugelblitze erzeugt. Die Feuerkugeln schwebten bis zu acht Sekunden durch das Labor von Antônio Pavão und Gerson Paiva an der Universität des Bundesstaats Pernambuco. Das berichtet der britische „New Scientist“ (Nr. 2 586, S. 12).

Damit könnten die Forscher einer Erklärung für Berichte über das geheimnisvolle Naturphänomen näher kommen. Immer wieder melden Augenzeugen langsam schwebende Feuerkugeln, deren Natur aber nach wie vor rätselhaft ist. Erklärungsversuche reichen von glühenden Plasmabällen bis zu kleinen Schwarzen Löchern.

Eine etwas bodenständigere Theorie stammt laut „New Scientist“ von den Neuseeländern John Abrahamson und James Dinniss. Nach ihrer Vorstellung könnten gewöhnliche Blitze, die in den Boden einschlagen, Kieselerde verdampfen. Daraus sollen sich der Theorie zufolge Siliziumdampfbälle bilden, die dank ihrer elektrischen Ladung kugelförmig zusammengehalten werden, an der Luft oxidieren und dadurch leuchten.

Genau diesen Erklärungsversuch wollten die Brasilianer testen. Sie verdampften dünne Siliziumscheiben mit einer Starkstromentladung von 140 Ampere zwischen zwei Elektroden. Dabei formten sich gelegentlich leuchtende Kugeln von Tischtennisballgröße, die bis zu acht Sekunden Bestand hatten. Damit sind sie laut „New Scientist“ mit Abstand die langlebigsten Feuerbälle, die bislang im Labor erzeugt worden sind. In früheren Experimenten verschwanden die künstlichen Kugelblitze einige tausendstel Sekunden, nachdem die erzeugende Mikrowellenstrahlung abgeschaltet wurde.

Von der blauweißen bis orangeweißen Farbe ihrer Feuerkugeln schätzen Pavão und Paiva deren Temperatur auf rund rund 1 700 Grad Celsius. Die Labor-Kugelblitze waren in der Lage, Plastik zu schmelzen und brannten bei einer Gelegenheit sogar ein Loch in Paivas Jeans. Die Brasilianer werden ihre Experimente in einer der nächsten Ausgaben des Fachblatts „Physical Review Letters“ beschreiben.

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