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01.01.2007

16:15 Uhr

Wissenschaft

Möglicherweise BSE-resistente Kühe geschaffen

Eine Gruppe internationaler Forscher hat gentechnisch veränderte Rinder geschaffen, die möglicherweise resistent sind gegen den Rinderwahnsinn BSE.

Lebensmittelgeschäft in New York dpa

Vielleicht gehören derartige Bilder bald der Vergangenheit an: Warnung vor Rindfleisch mit BSE-Verdacht in einem New Yorker Supermarkt (Archivbild).

dpa LONDON. Eine Gruppe internationaler Forscher hat gentechnisch veränderte Rinder geschaffen, die möglicherweise resistent sind gegen den Rinderwahnsinn BSE. Jürgen Richt vom US-Zentrum für Tierkrankheiten in Ames (US-Staat Iowa) und seine Kollegen berichten darüber im Journal „Nature Biotechnology“ (online vorab veröffentlicht).

Demnach haben sie Holsteiner Rinder produziert, denen das körpereigene Prionen-Protein vollständig fehlt. Eine fehlerhafte Variante dieses Proteins gilt als Auslöser der für BSE typischen Schäden, bei denen sich das Hirn schwammartig auflöst.

Die Hypothese von Richt und seinen Kollegen lautete: Wenn es keine Prionen in den Rindern gibt, können sie auch nicht daran erkranken. Um diese Vermutung zu bestätigen, zerstörten die Forscher in Rinder-Zellkulturen zunächst gezielt das Gen für das Prionen-Protein. Aus diesen Zellen wurden später insgesamt zwölf Holsteiner Rinder geklont. Im Alter von zehn Monaten und auch später wurden diese in 122 Punkten mit herkömmlich gezüchteten Tieren verglichen. Die Klonkälber erwiesen sich auch ohne die Prionen als gesund, schreiben die Forscher. Die Bullen könnten sich vermutlich problemlos fortpflanzen.

Bislang ist weitgehend unbekannt, wozu der Organismus die Prionen braucht. Frühere Experimente hatten gezeigt, dass auch Mäuse ohne Prionen scheinbar keine Probleme bekommen. Bekannt ist hingegen, dass falsch geformte und damit „kranke“ Prionen in der Lage sind, richtig geformte, „gesunde“ Prionen in die schädliche Form zu überführen. Auf diese Weise wird das Hirn zunehmend zerstört. Ähnliches passiert bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit des Menschen.

In einem weiteren Experiment prüfte die Gruppe um Richt, ob ihre Klonrinder auch wirklich gegen BSE resistent sind. Dazu mischten sie Proben aus dem Hirn der Tiere mit Proben von solchen Rindern, die an BSE leiden. Erwartungsgemäß verbreiteten sich die „kranken“ Prionen in den Proben Gentechnik-Rindern nicht. Ein anderes Resultat zeigte sich bei Hirnproben unveränderter Rinder mit dem intakten Prionen- Protein: Hier breitete sich die kranke Form aus.

Für „Nature Biotechnology“ sind alles dies Hinweise darauf, dass die neuen Tiere wahrscheinlich resistent gegen BSE sind. Die Forscher sehen in ihren und ähnlichen Tiere eine Möglichkeit, BSE-freie Rinderprodukte zu schaffen. Weltweit - auch in Deutschland - arbeiten viele Forscher mit verschiedenen Verfahren daran, Rinder ohne Prionen herzustellen.

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