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11.01.2006

19:05 Uhr

Wissenschaft

Pflanzen produzieren Treibhausgas Methan

Heidelberg/London (dpa) ­ Pflanzen produzieren einen erheblichen Anteil des Treibhausgases Methan. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik.

Heidelberg/London (dpa) ­ Pflanzen produzieren einen erheblichen Anteil des Treibhausgases Methan. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik.

Pflanzen setzten jährlich etwa 60 bis 240 Mill. Tonnen Methangas frei, wie die Forscher um Frank Keppler im britischen Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04420) berichten. Das sind zehn bis 40 Prozent der weltweiten Methanemissionen. Methan ist nach Kohlendioxid (CO2) das wichtigste Treibhausgas. Die Methankonzentration in der Atmosphäre hat sich in den vergangenen 150 Jahren nahezu verdreifacht. Am bekanntesten ist Methan als Erdgas.

Entgegen aller bisherigen Annahmen entsteht Methan nach Erkenntnis der Forscher aus Pflanzenmaterial auch in Gegenwart von Sauerstoff. „Methan darf so eigentlich nicht entstehen“, erläuterte Keppler. „Es ist eine bisher anerkannte Lehrbuchweisheit, dass biogenes Methan nur unter Ausschluss von Sauerstoff gebildet werden kann. Deshalb hat bislang einfach niemand genau hingesehen.“ Lebende Pflanzen setzten sogar zehn bis 100 Mal mehr Methangas frei als abgestorbene Pflanzen.

Diese Erkenntnis trage dazu bei, die Wechselwirkungen zu verstehen, die zwischen der globalen Erwärmung und der Produktion von Treibhausgasen bestehen, heißt es in dem Artikel. Denn das Ansteigen der Temperatur und der CO2-Werte könnte in Zukunft auch zu einem größeren Pflanzenwachstum führen, betonte Keppler. „Das könnte einen Rückkoppelungsprozess bewirken, denn dadurch könnte deutlich mehr Methan produziert werden, was zur Klimaerwärmung beitragen könnte.“ Ungeklärt ist bislang, welcher Prozess der Bildung von Methan in Pflanzen zu Grunde liegt. Die Forscher, deren Daten auf Laborversuchen fußen, planen nun umfangreiche Feldstudien.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des niederländischen Instituts für Meeres- und Atmosphärenforschung in Utrecht und des nordirischen Landwirtschaftsministeriums in Belfast.

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