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15.03.2006

19:18 Uhr

Wissenschaft

Raubdinosaurier in Bayern entdeckt

Einen bisher unbekannten Raubdinosaurier haben Forscher in Bayern entdeckt. Es handele sich um einen Jahrhundertfund, erläuterte die Münchner Paläontologin Ursula Göhlich. Das 75 Zentimeter lange Jungtier sei der best erhaltene zweibeinige Raubsaurier, der je in Europa gefunden wurde.

Raubdinosaurier dpa

Das Modell eines Raubdinosauriers wird im Jura-Museum in Eichstätt über das Skelett eines Sauriers gehalten.

dpa MüNCHEN. Einen bisher unbekannten Raubdinosaurier haben Forscher in Bayern entdeckt. Es handele sich um einen Jahrhundertfund, erläuterte die Münchner Paläontologin Ursula Göhlich. Das 75 Zentimeter lange Jungtier sei der best erhaltene zweibeinige Raubsaurier, der je in Europa gefunden wurde.

Die Forscherin präsentiert das Tier zusammen mit einem US-Kollegen im britischen Fachjournal „Nature“ (doi:10.1 038/nature04579, Bd. 440, S. 329) von diesem Donnerstag.

Der Saurier habe vor rund 150 Mill. Jahren und damit in der Jurazeit gelebt. Die Forscher nannten ihn Juravenator starki, übersetzt Jurajäger. Stark heißen die Besitzer des Geländes, in dem der Saurier gefunden wurde. Das Tier von der Größe einer Gans gehört zur Gruppe der Coelurosaurier, den Fleisch fressenden kleinen Sauriern, die auf zwei Beinen gingen. Mit dem Fund gibt es laut Göhlich nun nicht nur eine neue bekannte Art, sondern sogar eine neue Gattung.

Das Tier lebte auf einer Insel im flachen Jurameer, das damals ganz Süddeutschland bedeckte. Das außergewöhnliche Fossil wurde bei einer Grabung des Jura-Museum Eichstätt in Kalkplatten bei Schamhaupten im Naturpark Altmühltal gefunden. Die Plattenkalke dieser Region sind unter anderem bekannt für die berühmten Fossilen des ältesten Urvogels der Welt, Archaeopteryx. Zuletzt war dort vor rund 150 Jahren ein gut erhaltener Raubsaurier gefunden worden.

Sogar der Abdruck von Weichteilen sei bei dem neuen Fund in der Kalkplatte erhalten. Das sei sehr außergewöhnlich, sagte Göhlich, die den Saurier zusammen mit ihrem US-Kollegen Luis Chiappe ein Jahr lang untersuchte. Die Hautoberfläche des noch jungen Tieres sei höckerig gewesen und habe kleine Pusteln aufgewiesen. Es gebe aber keine Hinweise auf Federn, wie nach bisherigen Erkenntnissen bei einem Coelurosaurier aus der Jura-Zeit zu erwarten gewesen wäre. „Die Entwicklung der Federn ging somit komplizierter vonstatten als gedacht“, sagte Göhlich. Damit müsse die wissenschaftliche Debatte über die Entstehung des Federkleides bei Dinosauriern neu geführt werden.

Ursula B. Göhlich von der Ludwig-Maximilians-Universität arbeitet derzeit vorübergehende am Naturhistorischen Museum Wien.

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