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05.03.2006

15:30 Uhr

Wissenschaft

Sonnenobservatorium Goseck hatte natürliche Entwässerung

Das älteste Sonnenobservatorium der Welt in Goseck (Sachsen-Anhalt) ist vor rund 7 000 Jahren auf einer geologisch seltenen Scholle mit natürlicher Entwässerung gebaut worden. Das ist das Ergebnis aufwendiger Bohruntersuchungen.

Sonnenobservatorium dpa

Blick auf das aus der Steinzeit stammende Sonnenobservatorium Goseck in Sachsen-Anhalt.

dpa GOSECK. Das älteste Sonnenobservatorium der Welt in Goseck (Sachsen-Anhalt) ist vor rund 7 000 Jahren auf einer geologisch seltenen Scholle mit natürlicher Entwässerung gebaut worden. Das ist das Ergebnis aufwendiger Bohruntersuchungen.

„Es handelt sich um rund 350 000 Jahre alten Schotter aus der Elster-Eiszeit. Das Besondere daran ist, dass sich diese etwa 50 Zentimeter dicke Schotterschicht in Goseck nur auf einer kleinen, nierenförmigen Fläche von 600 mal 200 Meter erhalten hat - und genau dort steht die Kreisanlage“, sagte der Geo-Archäologe Gregor Borg von der Universität Halle in einem dpa-Gespräch.

Für Borg ist dieser Zusammenhang kein Zufall: „Die Steinzeitmenschen hatten beobachtet, dass nur auf diesem Areal Regen- und Schmelzwasser schnell abfließen und die Fläche relativ trocken und immer begehbar bleibt, während im Umkreis alle Menschen im Lehmboden versanken“, erklärte der Wissenschaftler. „Außerdem hatten die Holzpalisaden in dem Schotterbett wesentlich besseren Halt.“

Um das Phänomen nachzuweisen, wurden in der Gegend um Goseck 204 so genannte Peil-Stangen-Bohrungen in eine Tiefe von zwei Metern getrieben. Die Bohrkerne wurden ausgewertet und in einer speziellen geologischen Karte grafisch festgehalten. „Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Boden bei Goseck unzählige Male überpflügt, so dass die Ende 2005 rekonstruierte Anlage den einstigen Entwässerungseffekt nur noch zum Teil wiedergibt“, sagte Borg.

Beim Sonnenobservatorium handelt es sich um eine Kreisgrabenanlage mit 75 Metern Durchmesser. Das rekonstruierte Areal ist von zwei jeweils etwa zweieinhalb Meter hohen Eichenholz-Palisadenzäunen umgeben. Zudem ist die gesamte Fläche von einem fast 1,50 Meter tiefen und 3,50 Meter breiten Graben mit vorgelagertem Erdwall umschlossen. Die Anlage verfügt über drei Tore und Sichtluken im Holzzaun. Mit Hilfe der Tore und Luken konnten die Steinzeitmenschen den längsten und den kürzesten Tag des Jahres festlegen.

Die Spuren der Anlage hatte ein Luftbildarchäologe 1991 entdeckt. Goseck liegt nur 25 Kilometer vom Fundort der Himmelsscheibe von Nebra entfernt, die als archäologischer Sensationsfund gilt und die älteste konkrete Himmelsabbildung der Welt zeigt. (Internet: www.petrolgy.de)

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