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25.01.2006

02:05 Uhr

Wissenschaft

Tägliche Tabakmenge bei Rauchern genetisch bedingt

Die tägliche Menge Zigaretten liegt bei Rauchern in den Genen. Das legt eine japanische Erbgutanalyse nahe. Wer einen genetisch gebremsten Nikotinabbau besitzt, raucht weniger, berichten die Forscher um Hidetoshi Nakamura vom Krankenhaus des Energieversorgers Tokyo Electric Power Company.

Zigarettenproduktion in Thailand dpa

Wer eine solche Tagesration hat, sollte in sich gehen. Es handelt sich hier aber um herausgegriffene Zigaretten bei der Herstellung in Bangkok.

dpa GENF/TOKIO. Die tägliche Menge Zigaretten liegt bei Rauchern in den Genen. Das legt eine japanische Erbgutanalyse nahe. Wer einen genetisch gebremsten Nikotinabbau besitzt, raucht weniger, berichten die Forscher um Hidetoshi Nakamura vom Krankenhaus des Energieversorgers Tokyo Electric Power Company.

Aus dieser Beobachtung könnten sich nach Meinung der Forscher lohnende Ansätze für die Tabakentwöhnung ergeben, heißt es in der Februarausgabe des Fachblatts „European Respiratory Journal“ (DOI: 10.1 183/09 031 936.06.00 056 305).

Die Forscher untersuchten das Erbgut von 200 japanischen Rauchern auf Varianten (Allele) eines Gens mit der Bezeichnung Cyp2a6. Diese Erbanlage ist für den Abbau des Nikotins verantwortlich, des wichtigsten Suchtmittels in Zigaretten und anderen Tabakwaren. Fällt der Nikotinspiegel in Blut und Hirnflüssigkeit (Liquor), löst dies bei Rauchern das fast unzähmbare Verlangen nach einer neuen Zigarette aus.

Raucher mit normalem, ungebremstem Nikotinabbau rauchten in der japanischen Studie am meisten - im Schnitt knapp zwei Schachteln pro Tag. Diese Probanden, bei denen beide Ausgaben des verantwortlichen Gens unverändert sind, stellten rund ein Viertel (52) der untersuchten 200 Raucher. Probanden mit zwei Kopien einer eher seltenen Gen-Variante und einem dadurch gebremsten Nikotinabbau rauchten täglich nur knapp eine Schachtel. Die entsprechende Doppelausgabe dieser Erbanlage fand sich bei nur sieben Studienteilnehmern (3,5 Prozent). Andere Gen-Varianten und Variantenkombinationen führten demnach zu einem dazwischen liegenden Tabakkonsum.

Diese Daten seien zwar in erster Linie für die asiatische Bevölkerung von direkter Bedeutung, manche der untersuchten Gen-Varianten seien aber auch bei anderen Bevölkerungen wie etwa denen von Schweden und der Türkei häufig. Da die Tabakentwöhnung in erster Linie auf eine Nikotinersatztherapie setze, könnte der beobachtete Zusammenhang helfen, eine maßgeschneiderte und damit Erfolg versprechendere Entwöhnung für Raucher zu entwerfen.

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