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29.01.2007

23:05 Uhr

Wissenschaft

Tigernatter bewaffnet sich mit dem Gift verspeister Kröten

Die asiatische Tigernatter nutzt eine ungewöhnliche Quelle für ihr tödliches Gift: Sie speichert das Toxin verspeister Kröten. Das haben japanische und amerikanische Forscher bei der Untersuchung von Giftschlangen aus verschiedenen Gegenden gezeigt.

dpa WASHINGTON. Die asiatische Tigernatter nutzt eine ungewöhnliche Quelle für ihr tödliches Gift: Sie speichert das Toxin verspeister Kröten. Das haben japanische und amerikanische Forscher bei der Untersuchung von Giftschlangen aus verschiedenen Gegenden gezeigt.

Nattern mit einem krötenreichen Speisezettel haben demnach mehr so genannte Bufa-Dienolide in den Giftdrüsen als Artgenossen aus krötenarmen Gegenden, wie die Wissenschaftler in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“; online vorab veröffentlicht) berichten. So müssen Schlangen von der krötenfreien japanischen Insel Kinkazan völlig ohne diese Waffe zur Selbstverteidigung auskommen.

Die Tigernatter (Rhabdophis tigrinus) ist eine Giftschlange, die unter anderem in Japan, Korea, China und Südostasien vorkommt. Sie besitzt Giftdrüsen im Nacken, um sich gegen ihre Fressfeinde zu verteidigen. Schon länger gab es die Vermutung, dass die Natter die darin enthaltenen Bufa-Dienolide nicht selbst herstellen kann, sondern über die Nahrung aufnimmt. Die Forscher um Deborah Hutchinson von der Old Dominion University in Norfold (US-Staat Virginia) analysierten daher nicht nur die Konzentration dieser von Kröten (Bufonidae) bekannten Steroide im Drüsensekret wild lebender Schlangen. Die Wissenschaftler untersuchten auch, ob junge Nattern in Gefangenschaft mit einer krötenreichen Diät giftiger werden.

Tatsächlich registrierten die Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen den verspeisten Kröten und der Steroidkonzentration im Nattergift. Zudem hatten junge Schlangen nur dann schon nach dem Schlüpfen eigene Bufa-Dienolide, wenn ihre Mutter bereits hohe Konzentrationen des Herzgifts besaß. Von einigen wirbellosen Tieren ist bekannt, dass sie das Gift ihrer Beute weiterverwenden können. Unter Wirbeltieren gibt es dagegen nur wenige Beispiele für diese Praxis.

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