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23.01.2008

16:31 Uhr

Wissenschaftsjahr 2008

Startschuss zum Jahr der Mathematik

Unter dem Motto „Alles, was zählt“ hat Forschungsministerin Annette Schavan das „Jahr der Mathematik“ eröffnet. Das neunte Wissenschaftsjahr der Bundesregierung soll vor allem Schüler für die Vielfalt und Bedeutung der Mathematik begeistern.

HB BERLIN. Ein Inline-Skater hebt vom Boden ab. Möglichst weit will er fliegen. Doch das ist gar nicht so einfach. Luftwiderstand, Flugkurve, Absprung- und Anziehungskraft müssten in Beziehung gesetzt werden. Natürlich würden die Skater zur Flugbahnoptimierung keine Differenzialgleichungen lösen, sagt Günter Ziegler, Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV). Aber dieses Beispiel zeige, dass die Mathematik im Alltag und eigentlich in allen Lebensbereichen eine Rolle spiele.

Um das auch der Öffentlichkeit zu beweisen, haben Bundesforschungsministerium und die Initiative „Wissenschaft im Dialog“ mit zahlreichen Partnern das neunte Wissenschaftsjahr der Mathematik gewidmet. Bundesweit gibt es Ausstellungen, Veranstaltungen, Wettbewerbe und Festivals zum Thema - und sogar eine Weltmeisterschaft im Kopfrechnen. Das Bildungsministerium unterstützt das Jahr mit sechs Mill. Euro, die Telekom-Stiftung mit zwei Mill. Euro.

Zu den Höhepunkten zählen der Wissenschaftssommer in Leipzig (28. Juni bis 4. Juli) sowie ein Ausstellungsschiff, das von Mai bis September in über 30 Städten Station machen wird. Gezeigt werden soll: Mathematik durchdringt alle Lebensbereiche, vom Einkauf im Supermarkt zur Architektur, vom Wetterbericht zum MP3-Player. Mathematische Prozesse steuern den Verkehr auf Bahnstrecken, Hochrechnungen prognostizieren Wahlergebnisse, Simulationsverfahren erleichtern medizinische Operationen, ermöglichen Klimaprognosen und sorgen für mehr Sicherheit in Flugzeugen.

Insbesondere Schüler und Schülerinnen sollten für das Fach begeistert werden, sagte Forschungsministerin Annette Schavan zur Eröffnung am Mittwoch. Mathematik sei lange Zeit isoliert und als kompliziertes Schulfach bei so manchem verpönt gewesen. Daher seien in den Schulen andere didaktische Methoden nötig. Viele Erwachsene kokettierten damit, dass sie Mathematik nie gekonnt hätten und auch jetzt nicht könnten - und trotzdem durchs Leben gekommen seien. Dies sei ein falsches Signal.

Denn: Viele Produkte und Dienstleistungen wie Computertomographie und die mobile Kommunikation würden durch Mathematik überhaupt erst möglich. „Mathematik ist die gemeinsame Sprache der Naturwissenschaften“, betonte die CDU-Politikerin. Gute mathematische Kenntnisse seien unverzichtbar für zahlreiche Berufe und Studiengänge und böten hervorragende Chancen in der Arbeitswelt - was gerade angesichts des großen Bedarfs an Fachkräften wichtig sei. Und nicht zuletzt sei Mathematik „zentral wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Wettbewerbsfähigkeit“.

DMV-Präsident Ziegler, der 1981 den Wettbewerb „Jugend forscht“ gewann, will mit dem Wissenschaftsjahr den Nachwuchs fördern. Schon jetzt gebe es einen spürbaren Mangel an Absolventen, sagt der 44-jährige Mathematik-Professor. Das sei dramatisch für ein Land, das auf Hochtechnologie bauen müsse. Es müsse daher darum gehen, zum Entdecken und Ausprobieren von Mathematik einzuladen und sichtbar zu machen, dass vieles Mathematik ist und braucht, von dem man es gar nicht dachte.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) wies darauf hin, dass fehlende Mathematik-Kenntnisse heute ein wesentlicher Grund für die hohen Abbrecherquoten in den technischen Studiengängen seien. In der Mathematik beendeten rund 60 Prozent der Anfänger ihr Studium vorzeitig oder wechselten in ein anderes Fach. Im Jahr 2006 hätten sich knapp 17 000 Menschen für das Fach Mathematik eingeschrieben, ein Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Mathematik ist eine uralte Wissenschaft. Längst bevor die Schrift entwickelt wurde, beschäftigten sich Menschen mit Zahlzeichen und geometrischen Figuren. Geometrische Verzierungen befinden sich bereits auf 40 000 Jahre alten Keramikgefäßen. In Ägypten wurden 4 000 Jahre alte Papyri mit einfachen Rechenaufgaben gefunden. Heute stellen sich den Mathematikern auch praktische Fragen, zum Beispiel: Wie lässt sich der Austausch geheimer Informationen über Datennetze so verschlüsseln, dass nur autorisierte Personen die Informationen lesen können?

Offiziell soll das Jahr am Mittwochabend mit einem Festakt in Berlin eröffnet werden.

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