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10.01.2006

22:30 Uhr

Wissenschaftsjournal

„Science“ zieht Hwangs Stammzellstudien zurück

Das Wissenschaftsjournal „Science“ hat beide als bahnbrechend gefeierten Stammzell-Studien des Klonforschers Hwang Woo Suk aus Südkorea nach Fälschungsvorwürfen zurückgezogen.

dpa NEW YORK. In einer Erklärung vom späten Dienstag versprach „Science“-Chefredakteur Donald Kennedy, den Weg vom Angebot der beiden Arbeiten bis zur Veröffentlichung in dem wöchentlich erscheinenden Journal nachzuverfolgen, um mögliche Fehler aufzudecken. „Gefälschte Ergebnisse sind besonders deshalb so beunruhigend, weil sie einen Vorgang in Frage stellen, der auf Vertrauen basiert. Zum Glück sind solche Fälschungen rar. Aber sie schaden unser aller Ansehen“, heißt es in der offiziellen Erklärung von „Science“.

Hwang hatte nach Angaben seiner Universität beide herausragenden Arbeiten gefälscht. Hwangs Team habe nicht beweisen können, dass es maßgeschneiderte Stammzellen für Patienten oder überhaupt jemals menschliche embryonale Stammzelllinien geklont habe, teilte eine Kommission der National-Universität in Seoul zum Abschluss ihrer Untersuchungen zu dem Fälschungsskandal um den Tiermediziner am Dienstag mit. Der Ausschuss kam jedoch zu dem Schluss, dass Hwangs Team wie behauptet den ersten Klonhund geschaffen habe.

Fachjournale zogen 2005 mehrere Artikel zurück

Selten hat ein Fälschungsskandal so viel Aufsehen erregt wie der um den Klonpionier Hwang Woo Suk aus Seoul. Ein Einzelfall ist der Widerruf seiner Aufsehen erregenden Stammzellstudien von 2004 und 2005 aber keineswegs. Allein im vergangenen Jahr zogen angesehenen Forscherjournale wie das „British Medical Journal“ (BMJ), „Lancet“ und „Nutrition“ nach einem Bericht der Tageszeitung „USA Today“ vom Mittwoch eine Reihe von teils recht betagten Studien zurück.

So teilte die US-Fachzeitschrift „Nutrition“ („Ernährung“) ihren Lesern im Februar mit, dass eine Arbeit von Ranjit Chandra, einem früheren Professor der Universität von Neufundland (Kanada), von 2001 „eine Anzahl ernster Fragen aufwirft“. Chandra hatte angeblich gefunden, dass Vitamintabletten die Wahrnehmungskräfte älterer Menschen schärfen. Erst später stellte sich heraus, dass er das Patent für ein Multivitaminpräparat hält.

Im März 2005 gaben US-Behörden zu, dass sie einem Schwindler Millionenbeträge zur Forschung gewährt hatten. Eric Poehlman, ein ehemaliger Professor der Universität von Vermont, hatte seine Anträge auf Mittel aus dem Staatssäckel mit „falschen und erfundenen Daten“ gespickt. Dieser gab zu, gelogen zu haben und zog freiwillig zehn Artikel aus verschiedenen Journalen zurück.

Im Juli äußerte das „BMJ“ öffentlich Zweifel an einem Artikel von 1992. In ihm war der federführende Autor Ram Singh zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Menschen nach einem Infarkt mit einer fettarmen und faserreichen Ernährung vor weiteren Komplikationen schützen können. Im Oktober widerrief das US-Gesundheitsministerium den Schluss einer Studie unter Leitung einer früheren Neurochirurgin an der Universität Pittsburgh. Jessica Lee Grol habe die Akten von 15 Patienten gefälscht, stellte das Ministerium fest.

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