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11.08.2014

14:33 Uhr

Wundermittel für Nigeria

Mit Salzwasser und Hostien gegen Ebola

Nigeria ist das vierte Land in Afrika, auf das die Ebola-Epidemie übergegriffen hat. Die Behörden versuchen, das Virus einzudämmen – auch die Kirche hilft mit. Aber viele Menschen vertrauen lieber auf Wundermittel.

Schutzmaßnahme gegen Ebola

Chlorwasser für Liberias Gläubige

Schutzmaßnahme gegen Ebola: Chlorwasser für Liberias Gläubige

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LagosDas Ebola-Virus hat das bevölkerungsreichste Land Afrikas erreicht: Nigeria. Erschreckend ist, dass ein einziger infizierter Patient ausgereicht hat, um innerhalb kurzer Zeit mindestens neun weitere Menschen anzustecken – und eine ganze Nation in Angst zu versetzen.

Fast 170 Millionen Menschen leben in dem Land, das eine der höchsten Bevölkerungsdichten des Kontinents aufweist. Um eine tödliche Epidemie zu bekämpfen, die sich durch Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut oder Speichel überträgt, sind das ungünstige Voraussetzungen.

Die katholische Kirche hat immerhin schnell reagiert: Auf Weisung des Kardinals John Onaiyekan wird das Händeschütteln während des Gottesdienstes als Friedensgruß zunächst abgeschafft.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

„Manche Leute schwitzen sehr, und da das eine der Arten ist, über die das Virus übertragen wird, halten wir es für besser, erstmal keine Hände mehr anzufassen“, zitierte die Zeitung „Vanguard“ den Pfarrer Moses Jimbili. Zudem soll beim Abendmahl die Hostie nicht mehr direkt in den Mund der Gläubigen, sondern auf die Handfläche gelegt werden.

Die Behörden schienen hingegen kaum vorbereitet, als am 20. Juli ein liberianischer Regierungsbeamter bei der Einreise am Flughafen der Mega-Metropole Lagos mit Ebola-Symptomen zusammenbrach. Er wurde auf eine Quarantänestation gebracht, wo er kurz darauf starb.

„Die Regierung wartet immer bis zur letzten Minute, bevor sie den Ernst der Lage zu erkennen scheint“, sagte ein Beobachter in der Hauptstadt Abuja. Seit der Ebola-Ausbruch in Guinea im März bekanntgeworden war, sei schließlich genug Zeit gewesen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Unter den Menschen, die der Liberianer angesteckt haben könnte, sind nicht nur Passagiere des Flugzeugs, sondern auch Gesundheitsarbeiter, die ihn behandelt hatten. 139 Menschen, die Kontakt mit dem Mann hatten, werden derzeit nach Behördenangaben noch überwacht.

„Es war sehr unglücklich, dass er die Krankheit nach Nigeria gebracht hat, aber das zeigt ja auch, dass für jedes Land der Welt ein Risiko besteht“, erklärte Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu in einem Interview. Geschätzte 20 Millionen Menschen leben im Großraum Lagos.

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