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13.02.2016

13:36 Uhr

„Zero Zika“ in Brasilien

220.000 Soldaten im Virus-Kampf

Im August sind die Olympischen Spiele in Rio, die Welt schaut auf Brasilien. Die Zika-Epidemie kommt zur Unzeit. Nun hilft das Militär, um die Moskitos zu bekämpfen, die das Virus übertragen.

Allein in Rio de Janeiro sollen am Aktionstag 71.000 Soldaten zum Einsatz kommen – landesweit werden 220.000 Soldaten beteiligt. dpa

Brasilianische Armee

Allein in Rio de Janeiro sollen am Aktionstag 71.000 Soldaten zum Einsatz kommen – landesweit werden 220.000 Soldaten beteiligt.

Rio de JaneiroZur Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti, die das mysteriöse Zika-Virus überträgt, setzt Brasilien den ganzen Samstag über landesweit 220.000 Soldaten ein. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen.

Sie sollen den Bürgern erklären, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen, da Gelbfiebermücken hier ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen. Allerdings sollen die Soldaten nicht in Favelas gehen, wo das Risiko gewaltsamer Zusammenstöße mit Drogenhändlern besteht.

Nach der Informationskampagne und der Identifizierung von Brutstellen sollen in einer zweiten Etappe in den nächsten Tagen und Wochen 50.000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden gezielt mit Insektiziden Moskitos und Eiablageplätze dauerhaft eliminieren.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Das Motto der Regierung lautet: „Zero Zika“ („Null Zika“). Aber bis dahin wird es noch ein sehr weiter Weg sein – die Moskitoart hat sich dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. Sie überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus. „Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen“, betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior.

Da bisher eindeutige Schnelltests fehlen, gehen Schätzungen der Zika-Infektionen in dem am stärksten betroffenen Land sehr weit auseinander – von 500.000 bis 1,5 Millionen sprechen die Behörden. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys zu verursachen.

Die Zahl der bestätigten Fälle von Schädelfehlbildungen bei Babys, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit Zika infiziert haben, hat sich mehr als verdoppelt. Es gebe nun 41 solche Fälle, teilte das Gesundheitsministerium mit. In der Vorwoche waren 17 Fälle bekannt.

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