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03.02.2016

13:23 Uhr

Zika in Brasilien

Mit Drohnen gegen das Zika-Virus

VonSusanne Kutter
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Die Bekämpfung der Überträger ist schwierig. Ein deutscher Drohnen-Hersteller sagt den Mücken nun den Kampf an.

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DüsseldorfMediziner und Forscher weltweit verfolgen die rasante Ausbreitung des Zika-Fiebers mit großer Sorger. Seit vorigem Mai greift die Seuche nach und nach von Mittelamerika auf Brasilien und andere Staaten Süd- und Nordamerikas über.

Um das Virus zu stoppen, das mit großer Wahrscheinlichkeit bei Schwangeren zu schweren Hirnschäden ihrer ungeborenen Kinder führt, hat Brasilien angekündigt, 220.000 Soldaten über Land zu schicken, die mit Insektengiften dem Überträger der Krankheit – der  Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) – den Garaus machen sollen.

Eine viel elegantere Lösung verfolgt das Unternehmen Height Tech: sterile Mückenmännchen, die von Drohnen in den betroffenen Gebieten ausgesetzt werden. Paaren sich Mückenweibchen mit unfruchtbaren Männchen, gibt es keinen Nachwuchs.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

„Das ist ebenso effektiv, aber viel schonender für Mensch und Umwelt“, sagt Height-Tech-Geschäftsführer Dirk Liebegall. Schon jetzt belädt der Drohnenhersteller aus Meerbusch in Zusammenarbeit mit der Welternährungsorganisation seine unbemannten Flugobjekte testweise mit Tausenden von sterilisierten Moskito-Männchen. Demnächst sollen so Malariamücken dezimiert werden.

„Genauso gut können wir auch sterile Tigermücken aufladen“, sagt Liebegall. Tatsächlich gibt es in Brasilien schon professionelle Anbieter von solchen meist mit radioaktiven Gammastrahlen sterilisierten Mücken. Doch bisher müssen sie aufwendig von Menschen ausgeliefert werden.

Denn den Tigermücken genügt oft eine winzige Pfütze, um ihre Brut großzuziehen. Ein Moskito-Copter wäre praktischer, meint der Height-Tech-Chef: „Wir würden die Drohnen mit bis zu 400 Minicontainern beladen und dann zahlreiche Haltepunkte anfliegen.“

Dort würden die etwa 30.000 bis 50.000 Euro teuren Drohnen kurz in der Luft verharren und je einen Behälter mit einigen Tausend Mückenmännern in die Luft kippen. Sechs bis acht Monate Vorbereitungszeit bräuchte der Einsatz.

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