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26.01.2016

19:09 Uhr

Zika-Virus

Häuserkampf gegen eine Stechmücke

Brasilien schickt seine Soldaten in die Favelas, um einen gefährlichen Blutsauger zu bekämpfen. Die Maßnahme gilt dem Überträger des mysteriösen Zika-Virus‘, das offenbar längst nicht so harmlos ist wie lange vermutet.

Soldaten in der brasilianischen Metropole Sao Paulo reiben sich mit Mückenschutzmittel ein. Die Regierung will noch mehr Militär einsetzen, um Stechmücken auszurotten, die das Zika-Virus übertragen. ap

Mückenschutz

Soldaten in der brasilianischen Metropole Sao Paulo reiben sich mit Mückenschutzmittel ein. Die Regierung will noch mehr Militär einsetzen, um Stechmücken auszurotten, die das Zika-Virus übertragen.

BerlinBrasiliens Armee probt den Häuserkampf gegen eine Stechmücke: Der 13. Februar soll nach dem Willen der brasilianischen Regierung zum Aktionstag gegen den Überträger des mysteriösen Zika-Virus werden. 220.000 Soldaten werden dann in den Favelas von Haus zu Haus gehen, um den Menschen beim Kampf gegen die Moskitoart Aedes aegypti zu helfen. „Gemeinsam besiegen wir die Aedes aegypti“, steht schon jetzt großformatig auf Bussen im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco, wo die jüngste, dramatische Ausbreitung des Zika-Virus ihren Anfang nahm.

Bislang war die Mücke vor allem als Überträger von Gelbfieber und Denguefieber berüchtigt. Das in der Vergangenheit nur selten auftretende Zika-Virus galt dagegen lange als eher harmloser Krankheitserreger – Hautausschlag und leichtes Fieber waren die üblichen Symptome einer Infektion, die meist nach einer Woche ausgestanden war. Mit der massenhaften Ausbreitung des Erregers über Amerika mehren sich allerdings die Anzeichen, dass Zika keineswegs so harmlos ist wie vermutet.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Der Verdacht: Die massive Häufung von Mikrozephalie, einer hirnschädigenden Schädelverkleinerung bei Neugeborenen, könnte im Zusammenhang stehen mit einer Zika-Infektion bei Schwangeren. Allein in Brasilien, wo die rasante Ausbreitung des Erregers im Mai 2015 ihren Anfang nahm, wurden rund 3900 Mikrozephalie-Fälle ermittelt. In sechs Fällen hatten Schwangere sich nachweislich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Klar bewiesen ist bisher nichts. Auch nicht, dass das Virus das Guillain-Barré-Syndroms auslösen kann, das mit Lähmungserscheinungen verbunden ist. Im schlimmsten Fall werden die Atemwege lahmgelegt, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht.

Nach Einschätzung von Albert Ko, Professor für Epidemiologie an der Yale School of Public Health in den USA, ist ein Zusammenhang zwischen Zika und Guillain-Barré „plausibel und sehr wahrscheinlich“. Die schwierige Diagnose bei Zika und die Tatsache, dass Guillain-Barré erst Wochen später einsetzen kann, machten den Nachweis jedoch kompliziert: „Viele von uns sind überzeugt, dass das Zika-Virus diese Epidemie von Guillain-Barré auslöst und überall auslösen kann, wo das Virus übertragen wird. Dennoch fehlen uns noch sichere Beweise“, so Ko.

„Es sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig, bevor gesagt werden kann, ob es irgendeinen Zusammenhang gibt“, betont auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie warnt inzwischen aber vor der Ausbreitung des Zika-Virus auf den gesamten amerikanischen Kontinent.

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