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15.06.2016

09:38 Uhr

Zika-Virus in Brasilien

WHO gibt Entwarnung für Olympia

Wegen der Zika-Gefahr hatten manche Mediziner eine Verlegung der Olympischen Spiele gefordert. Die Weltgesundheitsorganisation weist das nun zurück. Die Gefahr einer weiteren Verbreitung des Erregers hält sie für gering.

Der Chef des WHO-Notfall-Komitees hält die Gefahr einer weiteren internationalen Ausbreitung des Zika-Virus für sehr gering. AFP; Files; Francois Guillot

David L. Heymann

Der Chef des WHO-Notfall-Komitees hält die Gefahr einer weiteren internationalen Ausbreitung des Zika-Virus für sehr gering.

GenfGute Nachricht für alle Fans der Olympischen Spiele: Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät trotz des Zika-Virus nicht von einer Reise nach Brasilien ab. Auch bestehe kein Grund, das Sportereignis zu verlegen oder zu verschieben, entschied das Notfall-Komitee der WHO am Dienstagabend in Genf. Eine aktuelle Analyse der Lage zeige, dass die bisherigen Ratschläge über Vorsichtsmaßnahmen ausreichten.

„Das Risiko einer weiteren internationalen Ausbreitung ist sehr gering“, sagte der Chef des WHO-Notfall-Komitees, David Heymann. Speziell im südamerikanischen Winter, also zum Zeitpunkt der Spiele im August, sei die Intensität der Verbreitung schwach.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Das Virus grassiert laut WHO inzwischen in fast 60 Ländern. Eine Verlegung der Olympischen Spiele hätte damit keinen signifikanten Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit. Brasiliens Regierung hatte zuletzt betont, dass die Zahl der Zika-Ansteckungen stark zurückgegangen sei.

Unlängst hatten rund 200 Gesundheitsexperten in einem offenen Brief an die WHO für die räumliche oder zeitliche Verschiebung der Spiele plädiert, weil sie die Gefahr einer weiteren Verbreitung des Virus sahen. Der Erreger kann unter anderem Schädelfehlbildungen bei Babys auslösen.

Zwar könnten Massenveranstaltungen wie die Olympische Spiele bei der Übertragung von Krankheiten eine Rolle spielen. Bei Zika treffe dies aber nicht zu, so Heymann. „Das Risiko in Verbreitungsgebieten ist mit oder ohne Massenveranstaltungen gleich“, heißt es in den aktualisierten Empfehlungen der WHO.

Zugleich bekräftigte die WHO, dass weiterhin keine generelle Reisewarnung wegen Zika nötig sei. Das gelte auch für alle Städte in Brasilien, in denen die Olympischen und die Paralympischen Spiele stattfänden. 

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