Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2016

13:54 Uhr

Zika-Virus

Mit der App auf Mückenjagd

Brasilien kämpft gegen Stechmücken, die das Zika-Virus und andere gefährliche Krankheitserreger übertragen. Eine Smartphone-App soll Bürgern und Behörden die Jagd auf die lästigen Blutsauger erleichtern.

Die App versieht Fotos potenzieller Mücken-Brutstätte mittels Geodaten automatisch mit der exakten Angabe des Ortes, an dem es aufgenommen wurde, und sendete einen Alarm an die Stadtverwaltung. AP

Smartphone-App für die Mückenjagd

Die App versieht Fotos potenzieller Mücken-Brutstätte mittels Geodaten automatisch mit der exakten Angabe des Ortes, an dem es aufgenommen wurde, und sendete einen Alarm an die Stadtverwaltung.

NiteroiLuciana Santos hilft im Kampf gegen die Mücken, die das Zika-Virus, Dengue-Fieber und andere Krankheiten verbreiten. Sie braucht dazu nur ihr Handy. Santos lebt in Niteroi, einem Küstenort in der Nähe der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Dort haben die Behörden kürzlich eine neue Smartphone-App namens „Sem Dengue“ – ohne Dengue – gestartet. Damit können Einwohner Pfützen und Tümpel melden, die als Brutstätte für den krankheitsübertragenden Moskito Aedes aegypti gilt.

Brasilien hat seinen Kampf gegen die Mücke verstärkt, seitdem die Fälle von Mikrozephalie gehäuft haben, einer Schädelfehlbildung bei Säuglingen, die zu geistiger Behinderung führen kann. Als Santos also kürzlich bei einem Spaziergang am Jurujuba-Strand auf mehrere Wasserpfützen mit Moskito-Larven stieß, machte sie mit ihrem Handy ein Foto und verschickte es mit der App.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Die App versah das Foto mittels Geodaten automatisch mit der exakten Angabe des Ortes, an dem es aufgenommen wurde, und sendete einen Alarm an die Stadtverwaltung. Binnen 72 Stunden nahm sich ein Team der Mücken-Brutstätte an.

„Es ist ein Möglichkeit für uns, unserer Stadt zu helfen, was unserer Rolle als Bürger entspricht“, sagt Santos, Managerin einer onkologischen Klinik. Die Stadtverwaltung könne nicht alles sehen und die Bevölkerung ihr daher ein großes Stück helfen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×