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17.02.2016

14:11 Uhr

Zika-Virus

WHO legt Aktionsplan zur Viren-Bekämpfung vor

In Zeiten von Klimawandel und Globalisierung könnte das Zika-Virus zu einem weltweiten Problem werden, warnt die WHO in einem aktuellen Bericht. Ein 50 Millionen Euro teurer Aktionsplan soll Abhilfe schaffen.

Für den Kampf gegen das Virus stellt die Weltgesundheitsorganisation WHO 50 Millionen Euro bereit. dpa

Zika-Bekämpfung in Südkorea

Für den Kampf gegen das Virus stellt die Weltgesundheitsorganisation WHO 50 Millionen Euro bereit.

GenfDie Weltgesundheitsorganisation WHO will mit einem internationalen Aktionsplan die rasante Ausbreitung des Zika-Virus bremsen. Erkrankte sollen verbesserte medizinische Betreuung erhalten und die Entwicklung eines Impfstoffes soll schneller vorangebracht werden, teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit.

Bei der Bekämpfung von Zika dürfe keine Zeit verloren werden. Das Virus könnte sich laut WHO künftig weltweit ausbreiten, da sich der Lebensraum für die Überträger-Mücken immer weiter vergrößere. Gründe dafür seien der Klimawandel, das rasche Städtewachstum und die Globalisierung.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Die Strategie des Aktionsplans umfasst Hilfen für den Kampf gegen die Überträger-Mücken sowie eine bessere Aufklärung über Risiken einer Infektion. Die Kosten sollen sich auf rund 50 Millionen Euro belaufen.

Zika ist bereits in etwa 40 Ländern aufgetaucht. Am stärksten ist derzeit Brasilien betroffen. Das südamerikanische Land hat nun nach Angaben der WHO aufgrund der hohen Zahlen aufgehört, Zika-Infektionen zu registrieren. Laut Schätzungen lokaler Behörden haben sich bisher zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Menschen infiziert.

Die WHO hatte den Zika-Ausbruch Anfang Februar als internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Das Virus steht im Verdacht, bei Schwangeren schwere Schädelfehlbildungen der Ungeborenen zu verursachen. Einen wissenschaftlich gesicherten Beweis dafür gibt es bislang aber nicht.

Mit intensiver Forschung soll nun die bisher unbekannte Verbindung zwischen Zika und Mikrozephalie aufgedeckt werden. Neuesten Erkenntnissen der WHO zufolge sind ungeborene Kinder weniger häufig von Mikrozephalie betroffen, wenn sich ihre Mütter erst nach dem sechsten Monat mit dem Zika-Virus anstecken.

Die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, will vom 22. bis zum 24. Februar in Brasilien Vertreter der Regierung und von Gesundheitsbehörden treffen. Den betroffenen Staaten sollen laut dem Aktionsplan Experten und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um die Situation zu verbessern. Das amerikanische Büro der WHO arbeite bereits seit Mai 2015 eng mit den südamerikanischen Ländern zusammen.

Von

dpa

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