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26.07.2013

08:08 Uhr

Zug-Unglücke

Wie sicher sind Europas Bahn-Systeme?

Innerhalb kurzer Zeit fordern Eisenbahnunglücke 80 Tote in Spanien und sechs in Frankreich – weltweit herrscht große Bestürzung. Aber rein statistisch sinken die Unfallzahlen, Großunfälle fallen kaum ins Gewicht.

Die Bilder vom Bahnunglück in Santiago de Compostela, hier hat eine Sicherheitskamera das Entgleisen des Zuges festgehalten, schockieren. Doch Vorfälle wie diese bilden die traurige Ausnahme bei allen Bahn-Unfällen. ap

Die Bilder vom Bahnunglück in Santiago de Compostela, hier hat eine Sicherheitskamera das Entgleisen des Zuges festgehalten, schockieren. Doch Vorfälle wie diese bilden die traurige Ausnahme bei allen Bahn-Unfällen.

Den HaagEuropa verfügt über eine Vielfalt an Zügen, von Relikten aus der kommunistischen Ära in Teilen Osteuropas bis hin zu den modernen Hochgeschwindigkeitszügen, die durch Frankreich düsen. Insgesamt gehörten die Sicherheitsstandards zu den höchsten auf der Welt. Unfälle wie der in Spanien sind unglaublich selten, wie Sim Harris von den „Rail News“ in Großbritannien sagt.

Auch Spaniens Bilanz in Sachen Sicherheit liegt über dem Durchschnitt, wie Chris Carr, Leiter der Abteilung Sicherheit bei der Europäischen Eisenbahnagentur, erklärt. EU-Statistiken zufolge sinkt die Zahl der Zugunglücke pro Jahr in der 28-Staaten-Union um etwa sechs Prozent. Das bedeutet einen Rückgang um 70 Prozent in der Zeitspanne von 1990 bis 2012.

Dennoch besagt ein Bericht der Behörde vom Mai, dass jedes Jahr ungefähr 2.400 „bedeutende“ Unfälle passierten. Zum größten Teil handele es sich dabei aber um Kollisionen mit Autos auf Bahnübergängen oder um Menschen – oftmals Suizidenten –, die von einem Zug getroffen würden. Derartige Vorfälle kosten dem Report zufolge jährlich etwa 1.200 Menschenleben.

Wenn man diese Statistik betrachte, verblassten dagegen alle anderen Todesopfer-Zahlen bei Zugunglücken, sagt Carr. Auch wenn die großen Katastrophen wie jetzt in Spanien besonders schockieren.

Im Fall der Zugentgleisung am Mittwochabend bei Santiago de Compostela haben die Behörden zwei Untersuchungen eingeleitet. Es gibt anscheinend erste Hinweise darauf, dass der Zug am Unglücks-Streckenabschnitt mehr als doppelt so schnell fuhr, wie es zulässig war. Aber ob es am Lokführer lag oder an einem unzureichenden oder fehlerhaften automatischen Tempo-Kontrollsystem - darüber konnte zunächst nur spekuliert werden.

Fest steht laut Carr, dass die EU-Mitgliedsstaaten angewiesen sind, jeweils national genau zu überwachsen, ob Sicherstandards auch eingehalten werden. Das gelte für Wartungsarbeiten an Schienen und Zügen, aber auch für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. „Es ist eine ziemlich robuste Struktur“, sagt Carr. Aber es gebe trotzdem unausweichlich Situationen, „in denen die Dinge schieflaufen“.

Mangelhafte Teile, schlechte Wartung und menschliche Fehler sind die wahrscheinlichsten Ursachen bei Unfällen. Ein Zugkollision 2012 mit 16 Toten in Südpolen wurde von vielen Beobachtern auf die schlechte Ausbildung eines Zugverkehrskontrolleurs zurückgeführt. Einige machten jedoch auch Sparmaßnahmen auf Kosten der Sicherheit bei der Modernisierung des Bahnnetzes für das Unglück verantwortlich. Polens Bahnsystem schließt moderne Züge und Bahnstationen ein, aber auch Züge und Schienen aus der kommunistischen Ära.

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