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24.04.2012

20:40 Uhr

Zukunft der Rohstoffe

Schürfen im Extremen

VonThomas Trösch

Mit immer knapper werdenden Rohstoff-Reserven an Land richten die Exploratoren der Öl- und Bergbaukonzerne ihre Blicke zunehmend auf Abbaugebiete, die lange als unerschließbar galten.

Schürfen auf dem Mond: So stellt sich ein Nasa-Zeichner die Zukunft der Rohstoffe vor. Pressebild

Schürfen auf dem Mond: So stellt sich ein Nasa-Zeichner die Zukunft der Rohstoffe vor.

DüsseldorfAls US-Präsident Barack Obama Anfang Februar dem Kongress seinen Etatplan 2011 vorlegte, war ein großer Verlierer rasch ausgemacht: Die Weltraumbehörde Nasa muss sich wohl endgültig von ihren Plänen für eine bemannte Mondmission verabschieden. Zwar soll das Nasa-Budget bis zur Mitte des Jahrzehnts um bis zu sechs Milliarden Dollar aufgestockt werden, die Mittel werden aber vorrangig in die Entwicklung kommerzieller Trägersysteme fließen. Für das von Obamas Vorgänger Bush initiierte "Constellation"-Programm, das Flüge zu Mond und Mars vorsah, sind dagegen keine weiteren Mittel vorgesehen.

Für die einzige Nation, die bislang Menschen auf den Mond gebracht hat, ist der Erdtrabant also vorerst kein Thema mehr. Von den übrigen Raumfahrtnationen ganz zu schweigen: Das Aurora-Projekt, mit dem die europäische Raumfahrtbehörde Esa dem Mond zu Leibe rücken will, ist noch meilenweit von den konkreten Umsetzung entfernt. Russland setzt angesichts des bevorstehenden Endes der Spaceshuttle-Ära vor allem auf die lukrative Rolle des galaktischen Taxifahrers mit dem dann weltweit einzig verfügbaren Trägersytem für bemannte Raumflüge, der Sojus. Und China hat zwar seine ersten Taikonauten erfolgreich ins All gebracht, für mehr als einen Hüpfer knapp außerhalb der Erdatmosphäre reicht seine Technik aber noch nicht.

Dabei hatte die Idee einer bemannten Mondmission in den letzten Jahren so etwas wie eine kleine Renaissance erlebt. Wissenschaftlich, weil sich 40 Jahre nach der ersten Mondlandung unser Verständnis vom Erde-Mond-System grundlegend verändert hat und Planetenforscher heute Fragen beantwortet haben möchten, die zu Zeiten der Apollo-Flüge noch gar nicht gestellt werden konnten. Und wirtschaftlich, weil der fahle Begleiter der Erde über Schätze verfügt, die hier auf der Erde immer kostbarer werden.

Unberührtes Rohstoff-Schatzkästchen

Tatsächlich scheint der Mond auf den ersten Blick ein noch unberührtes Rohstoff-Schatzkästchen. Eisen, Titan, Gold, Platin, Iridium - die Liste der Metalle, die auf dem Mond in größerer Menge vermutet werden, ist lang. Dazu Helium-3, die leichtere Variante des Edelgases, eine potenziell schier unerschöpfliche Energiequelle. Und all das auf einem Himmelskörper, der nach kosmischen Maßstäben direkt vor unserer Haustür liegt. So etwas weckt Begehrlichkeiten. Kein Wunder also, dass praktisch alle großen Raumfahrtnationen in den vergangenen Jahren Mondmissionen in ihr Programm aufnahmen.

Doch sind Planspiele über Bergbau auf einem fremden Himmelskörper überhaupt realistisch? „Um ehrlich zu sein: Im Moment würde es sich nicht rentieren, irgendetwas auf dem Mond abzubauen“, sagt Tilman Spohn, Direktor des Instituts für Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Allein die Transportkosten zwischen Erde und Mond sprengen jeden Kostenrahmen: 80 000 Euro würde es nach heutigen Schätzungen kosten, ein Kilogramm Last über die knapp 400 000 Kilometer lange Strecke zu befördern. Hinzu kämen astronomisch hohe Kosten für den Aufbau einer Bergbau-Infrastruktur sowie die Erkundung ergiebiger Rohstoff-Lagerstätten.

„Und auch bei Helium-3 ist eine wirtschaftliche Nutzung nicht absehbar“, so Spohn. Als zusätzlicher Stolperstein erweist sich hier die Technik: Zur Energiegewinnung müsste das Edelgas in Fusionsreaktoren mit Wasserstoff zu Helium-4 verschmolzen werden. Doch die Kernfusion steckt derzeit noch in den Kinderschuhen. Nach Einschätzung von Experten dürften noch mindestens 50 Jahre vergehen, bis entsprechende Anlagen zur Verfügung stehen. Schnelle und sichere Energieversorgung sieht anders aus.

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