Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2011

18:48 Uhr

Zukunftslabor 2020

Siemens plant die neue industrielle Revolution

VonAxel Höpner

An neuen Produkten zu arbeiten, ist Siemens zu wenig: Der Konzern will die Art und Weise der Herstellung komplett verändern - mit Hilfe der digitalen Fabrik. IT-Entwickler arbeiten dazu an einer speziellen Software.

Animation einer digitalen Fabrik: Das Bild zeigt einen Autositz, der sich auch als Fahrzeug für Behinderte eignet. Siemens

Animation einer digitalen Fabrik: Das Bild zeigt einen Autositz, der sich auch als Fahrzeug für Behinderte eignet.

AmbergFür die Fabrik der Zukunft hat Siemens eine ziemlich entlegene Gegend ausgesucht. Nicht im Silicon Valley liegt sie, und auch nicht in den chinesischen Boomregionen - sondern in der tiefsten Oberpfalz. Und doch ist das Elektronikwerk in Amberg zu einer Pilgerstätte für die Produktionsplaner der Industriekonzerne dieser Welt geworden. Alle großen Autobauer haben bereits ihre Experten geschickt, Flugzeug- und Maschinenbauer, auch die Getränkeindustrie. Sie wollen einen Blick in die nächste Dekade werfen.

Denn hier ist etwas zu besichtigen, worüber schon lange gesprochen wird, was heute noch die Ausnahme ist, und was in Zukunft die Produktion weltweit revolutionieren soll: die digitale Fabrik.

Jeder Handgriff wird vom Computer nachempfunden

Digital heißt keineswegs nur virtuell: Die geduckten, in schlichter Ziegelbauweise gehaltenen Fabrikhallen in Amberg sind ziemlich real und teils schon 20 Jahre alt. Das neue, futuristische ist, dass die Fertigungslinien vor Errichtung komplett am Rechner geplant und simuliert worden sind, inklusive der einzelnen Arbeitsplätze. In der laufenden Produktion erfassen zudem 1000 Scanner jeden Tag rund eine Million Ereignisse - so weiß die Steuerzentrale stets, wer gerade was macht und wo sich welches Teil befindet. In zehn bis 20 Jahren, so die Siemens-Vision, soll das weltweit Standard sein.

Dafür wollen Bagher Feiz-Marzoughi und seine Mannschaft sorgen. Der gebürtige Perser hat ein kleines Büro in einem der Backsteinbauten. Das Werk ist für Feiz-Marzoughi ein großes Labor, in dem die neuesten Entwicklungen eingesetzt und vorangetrieben werden können. Auf seinem Laptop wirft er einen Blick in die Zukunft: Zu sehen ist die Simulation des Arbeitsplatzes einer Beschäftigten, die Leiterplatten bestückt, jeder ihrer Handgriffe wird vom Computer nachempfunden. Eine Ampel zeigt an, welche Tätigkeit ergonomisch in Ordnung ist, und welche zum Beispiel den Rücken zu stark belastet.

Es ist nur ein kleines Beispiel, wie die Arbeitsplätze der Zukunft geplant werden. Das Interesse in der Industrie ist groß: Wegen der Alterung der Gesellschaft muss auch die Arbeitskraft älterer Angestellter künftig effektiver genutzt werden, die Arbeitsplätze müssen sich anpassen. Er wisse, wovon er da spreche, sagt Feiz-Marzoughi selbstironisch: "53 Jahre, kräftige Statur, Bandscheibenvorfall L5."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×