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26.01.2005

09:20 Uhr

Forschung + Medizin

Zwei-Euro-Test für Herz- und Kreislaufprobleme

Ein einfacher und preiswerter Test kann nach Medizinerangaben Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wesentlich früher als bislang anzeigen.

Bundeswehrkrankenhaus in Leipzig

Herz-Kreislauferkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland.

dpa BERLIN. Ein einfacher und preiswerter Test kann nach Medizinerangaben Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wesentlich früher als bislang anzeigen.

„Für Nierenerkrankungen gibt es einen Urin-Test, der sich auch als Indikator für Herz- und Kreislauferkrankungen nutzen ließe“, sagte der Mediziner Manfred Weber, Vorsitzender der Gesellschaft für Innere Medizin (Dgim), in einem dpa-Gespräch. Ein solcher Test koste rund zwei Euro und lasse sich auch ohne ärztliche Hilfe anwenden.

Herzinfarkt, Schlaganfall oder das „Raucherbein“ sind oft Spätfolgen krankhaft veränderter Blutgefäße. Schäden der Adern lassen sich jedoch schon sehr früh an der Niere nachweisen, berichtete die Gesellschaft auf einer Konferenz zur gezielten Frühdiagnostik bei chronischen Erkrankungen am Mittwoch in Berlin. „Gefäßschäden der Niere spiegeln die Schäden in allen Organen wider“, erläuterte Weber. Mit dem Test werde das Protein Albumin im Urin nachgewiesen.

„Bei gesunden Menschen sind lediglich Spuren des Proteins nachweisbar, bei Nierenkranken steigt die Konzentration“, ergänzte der Arzt. Eiweiß im Urin sei das derzeit eindeutigste Anzeichen dafür, dass bereits Frühschäden an den Gefäßen bestehen. „Nur eine ganz kleine Gruppe der Nierenerkrankungen wird durch Entzündungen ausgelöst.“

Albumin im Urin müsse für den behandelnden Arzt deshalb der Auslöser sein, nicht nur die Nieren, sondern auch Herz und Kreislauf seines Patienten näher zu untersuchen. Dies gelte vor allem für Raucher und Zuckerkranke sowie Menschen mit hohem Blutdruck oder Cholesterinspiegel. Eine Studie in den USA habe gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt in dem Maße steige, wie sich die Leistungsfähigkeit der Niere verschlechtere. „Da besteht ein direkter, linearer Zusammenhang“, betonte Weber. Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen sind vor allem Nikotin, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Übergewicht und Diabetes.

Es sei viel zu lange versäumt worden, dass es diese elegante und einfache Möglichkeit gebe, kritisierte der Mediziner. „Jährlich durchgeführt würde der Test etliche Dialyse-Fälle verhindern. Auch kardiovaskuläre Erkrankungen könnten früher erkannt werden“, betonte Weber. Er wünscht sich einen Verkauf des Tests in Supermärkten.

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