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18.11.2011

18:20 Uhr

Zweite Messung

Neutrinos erneut schneller als das Licht

Zum zweiten Mal wurden Neutrino-Teilchen gemessen, die schneller als das Licht fliegen sollen. Wenn die Messungen wirklich stimmen, könnten sie physikalische Grundannahmen über den Haufen werfen.

In der Forschungsstation Cern werden die Neutrionos erzeugt und auf die Reise geschickt. In einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen - rund 730 Kilometer entfernt - werden dann die Ankömmlinge registriert. dapd

In der Forschungsstation Cern werden die Neutrionos erzeugt und auf die Reise geschickt. In einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen - rund 730 Kilometer entfernt - werden dann die Ankömmlinge registriert.

GenfPhysiker haben erneut Teilchen registriert, die schneller als das Licht fliegen sollen. Die Lichtgeschwindigkeit gilt nach Einsteins Relativitätstheorie jedoch als fundamentale Tempogrenze im Universum. Wie bereits im September hatten Forscher am Europäischen Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf sogenannte Neutrinos unterhalb Italien durchgeschossen und diesmal mit „deutlich präziserer“ Technik gemessen.

Die Teilchen seien - den Messungen zufolge - ebenfalls schneller als Licht im italienischen Grand Sasso angekommen, teilte das Cern am Freitag mit. Dieses Ergebnis bestätige zwar die Präzision des ersten Experiments, es müsse aber von anderen Instituten überprüft werden. Ein Fehler im System des Versuches sei weiter denkbar.

„Nichtsdestotrotz, die beobachtete Anomalie der Neutrino-Flugzeit vom Cern nach Grand Sasso benötigt nach wie vor weitere Überprüfungen und unabhängige Experimente, bevor sie widerlegt oder bestätigt werden kann“, schreibt das Cern in einer Mitteilung und beendet seine Facharbeit mit dem Satz: „Wohlüberlegt unternehmen wir keinen Versuch der theoretischen oder phänomenologischen Interpretation der Ergebnisse.“

Bereits im September hatte das Cern Aufsehen mit dem sogenannten Opera-Experiment erregt, weil Neutrinos nach den Messergebnissen schneller als Licht geflogen sein sollen. Bei dem Experiment spähen Physiker in einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen nach Neutrinos, die im rund 730 Kilometer entfernten Cern erzeugt und auf die Reise geschickt werden. Da Neutrinos problemlos Materie durchdringen können, ist dafür kein Tunnel nötig. Die Teilchen waren im September lediglich 0,025 Promille zu schnell unterwegs.

Die Flugstrecke der Teilchen ist auf 20 Zentimeter genau vermessen, wie Opera-Physiker Dario Autiero in einem öffentlichen Seminar im September erläuterte. Die rund 2,4 tausendstel Sekunden (2,4 Millisekunden) lange Flugzeit lasse sich auf 10 milliardstel Sekunden (Nanosekunden) genau bestimmen. Das Cern präsentiert die neue Arbeit auf der Internetplattform Arvix und hat sie beim Fachjournal „Journal of High Energy Physics“ (JHEP) eingereicht. Sie wurde jedoch noch nicht nach den Kriterien von Fachjournalen überprüft.

Von

dpa

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

18.11.2011, 19:59 Uhr

Die Wissenschaft ist ein Kontinuum...Alles ist im Fluß!
Da schein auch in der Physik Flxexibilität angesagt zu sein, wenn Albert Einstein sich selber relativiert haben sollte....
Schneller als Licht ... geht ja gar nicht ... und wenn doch!?

E = m x C hoch "n"...2 war vielleicht zu kurz gedacht....!?

Voltaire

18.11.2011, 20:28 Uhr

Wenn sich die Messungen bestätigen sollten, so ist meine Hoffnung, dass sich mit dieser Entdeckung bald zum Nutzen der Bevölkerung praktische Anwendungen erschließen lassen. Ich denke da z. B. konkret an die Deutsche Bundesbahn.

Nein, ich verlange nicht, dass die Bahn am Bestimmungsort "schneller als das Licht" ankommt, mit einer pünktlichen Ankunft bin ich schon zufrieden.

Oelblase

18.11.2011, 22:50 Uhr

Wenn die Deutsche Bahn mal zuverlässig pünktlich kommen würde, dann wäre das im Verkehr in etwa so eine Revolution, als ob man in der Physik jetzt rausfinden würde, dass das Licht doppelt so schnell sein kann, als zuvor angenommen.

Und wenn der Grube das schaffen würde, dann wäre es in etwa gleich wahrscheinlich, dass die Merkel die Relativitätstheorie auf den Kopf stellen würde.


Aber natürlich ist es sehr wünschenswert und eigentlich auch zwingend notwendig, dass die Ergebnisse der Forschung im Teilchenbeschleuniger die Grundlage neuer Technologien sind.

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