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26.04.2012

13:25 Uhr

Gamestage Berlin

Deutsche Computerspiel-Macher setzen auf das Gratis-Prinzip

Viele Entwickler setzen auf kostenlose Online-Spiele. Bei den Deutschen Gamestagen in Berlin tauschen sie sich darüber aus, wie sich so Geld verdienen lässt. Dass es geht, haben hiesige Unternehmen bereits bewiesen.

Gamer auf den Deutschen Gamestagen im Cafe Moskau in Berlin. Die Entwickler-Konferenz der deutschen Computerspielebranche findet vom 24.04. bis 28.04.2012 in Berlin statt. dpa

Gamer auf den Deutschen Gamestagen im Cafe Moskau in Berlin. Die Entwickler-Konferenz der deutschen Computerspielebranche findet vom 24.04. bis 28.04.2012 in Berlin statt.

Berlin„Silent Hunter“ ist ein Klassiker. Der erste Teil der Computerspiel-Reihe kam 1996 auf den Markt, seitdem haben sich die verschiedenen Titel mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Trotz dieses Erfolgs bringt Hersteller Ubisoft die U-Boot-Simulation jetzt gratis heraus: Auf den Deutschen Gamestagen kündigte der französische Konzern an, dass seine Tochterfirma Blue Byte eine kostenlose Online-Version entwickelt. Alles, was Nutzer für „Silent Hunter Online“ brauchen, ist ein PC mit Internet-Verbindung. Damit liegt der Konzern voll im Trend, wie die Konferenz in Berlin zeigte.

„Free to play“ nennt die Branche das Konzept: Die Titel sind grundsätzlich kostenlos; zahlen müssen Spieler, die tiefer einsteigen oder sich lästige Aufgaben sparen wollen. Ob es um das schnellere Beackern eine Feldes auf dem virtuellen Bauernhof geht oder eine schickere Rüstung in einem Fantasy-Szenario: Meist fließen Kleinbeträge - die sich im besten Fall aber zu Millionen-Umsätzen summieren.

Welche Arten von Online-Spielen gibt es?

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Die Computerspiele-Branche setzt immer mehr aufs Internet. Doch abgesehen davon, dass die Spieler online sind, gibt es erhebliche Unterschiede – wir erklären die wichtigsten Begriffe.

Browser-Spiele

Der Name sagt es: Browser-Spiele lassen sich direkt im Browser aufrufen, zum Beispiel im Firefox oder im Internet Explorer. Für die Anzeige von Multimedia-Elementen ist oft eine Software-Erweiterung (Plug-In) notwendig, beispielsweise Flash. Der neue Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich. Auf dieser Plattform werden unterschiedliche Zielgruppen bedient: Es gibt Gelegenheitsspiele (Casual Games), aber auch komplexere Titel, beispielsweise aufwendige Rollenspiele, bei denen sich viele Nutzer gleichzeitig in der virtuellen Welt tummeln.

Social Games

Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind. Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, den virtueller Gütern. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur… Viele der Social Games richten sich an Gelegenheitsspieler, da sie wenig komplex sind.

MMOs

MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs – Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs treffen sich sehr viele Spieler über das Internet in einer virtuellen Welt. Diese wird von den Nutzern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.

Einige MMOs laufen im Browser, andere bedürfen der Installation eines Programms auf dem Computer – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“, das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.

Casual Games

Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.

Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Gelegenheitsspieler für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.

Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.

Spiele-Apps

Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.

Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf mehr als einer Milliarde mobilen Geräten gelandet.

Dass dieses Geschäftsmodell funktioniert, zeigen deutsche Anbieter wie die Hamburger Spieleschmiede Bigpoint, die mittlerweile Büros in aller Welt hat. Wooga, ein Berliner Startup, erreicht mit seinen Spielen auf Facebook Millionen von Nutzern. Daneben gibt es viele kleinere Anbieter, die derzeit rasant wachsen. Auch die Großen der Branche kommen daran nicht vorbei, wie Ubisoft exemplarisch mit „Silent Hunter Online“ und dem bereits gestarteten „Siedler Online“ zeigt. Beide werden übrigens von der deutschen Tochter Blue Byte entwickelt.

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