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12.08.2015

14:05 Uhr

Garmin Vivoactive im Test

Der dünne Dauerläufer

VonJoachim Hofer

Wenn anderen Sportuhren der Saft ausgeht, ist die Vivoactive von Garmin noch immer einsatzbereit. Das macht sie für Freizeitsportler zu einem wertvollen Begleiter. Doch der Minicomputer ist nicht für alle Athleten ideal.

Ob auf dem Weg ins Büro oder beim Feierabendlauf: Die Sportuhr Vivoactive misst per GPS sportliche Aktivitäten. Garmin

Sportuhr Vivoactive

Ob auf dem Weg ins Büro oder beim Feierabendlauf: Die Sportuhr Vivoactive misst per GPS sportliche Aktivitäten.

MünchenWo ist die nächste Steckdose? Die Frage treibt uns um, seit es Smartphones gibt. Mit den neuen Computeruhren, den sogenannten Smartwatches, ist es nicht anders: Viele Modelle müssen spätestens nach Feierabend ans Ladegerät.

Ganz anders die Vivoactive: Bei der neuen Sportuhr von Garmin muss sich der Nutzer keine großen Gedanken über die Stromversorgung machen. Die Minirechner fürs Handgelenk hält locker eine Woche durch, selbst wenn der Besitzer jeden Tag eine Stunde durchs Schwimmbecken pflügt oder über den Asphalt keucht.

Die Vivoactive ist also ein richtiger Dauerläufer, und nicht nur das. Sie kommt vergleichsweise dünn und elegant daher und lässt sich daher problemlos im Alltag tragen. Mehr noch, die Uhr ist geradezu geschaffen fürs Büro, weil sie regelmäßig dazu auffordert, aufzustehen und sich zu bewegen. Der eingebaute Schrittzähler zeigt stets an, ob der Träger seinem Tagesziel nahe kommt oder vielleicht doch noch einmal in die Teeküche gehen sollte.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Abends beim Sport zeigt die Vivoactive dann aber ihre wahre Stärke: Da misst sie die Leistung auf dem Golfplatz, beim Joggen und Schwimmen oder auf dem Velo. Den Golfschläger haben wir nicht in die Hand genommen, bei allen anderen Sportarten aber lässt sich sagen: Die Uhr verrichtet zuverlässig ihren Dienst, misst per GPS das Tempo und die Distanz, wer will kann über einen Brustgurt auch seinen Herzschlag überwachen. Gehen auf dem Smartphone Nachrichten oder Anrufe ein, so zeigt die Uhr sie auf ihrem farbigen, berührungsempfindlichen Bildschirm an und vibriert leicht.

Wie war der Lauf? Die Garmin-Uhr zieht Bilanz. Garmin

Vivoactive im Detail

Wie war der Lauf? Die Garmin-Uhr zieht Bilanz.

Wer sehen will, wie gut er ist und was er geleistet hat, der kann dies auf der Uhr tun, oder auf einer App von Garmin. Es lassen sich auch andere Anwendungen herunter laden wie bei den Computeruhren der Konkurrenz auch, etwa der Apple Watch. Noch etwas fällt positiv auf: Es braucht keine ellenlange Gebrauchsanweisung, um die Vivoactive zu verstehen. Sie lässt sich intuitiv bedienen, das ist viel wert. Denn nichts ist frustrierender, als mit einer Sportuhr in der Hand zunächst einmal Stunden auf dem Sofa zu verbringen, um alle Menüs und Unterpunkte zu durchdringen.

Alles im grünen Bereich also? Für Freizeitsportler auf jeden Fall. Wer allerdings größere Ambitionen hat, der sollte zu einem anderen Modell greifen, einer etwas ausgefeilteren Uhr; die gibt es von Garmin selbst, oder Konkurrenten wie Polar, Adidas oder Tomtom. Die Spitzenmodelle geben zum Beispiel Trainingsempfehlungen und messen den Puls über Lichtsignale an der Unterseite des Gehäuses. Der Nachteil: Sie sind meist etwas klobig und fressen unendlich viel Strom, fürs Leben jenseits des Trimm-dich-Pfads sind sie daher nicht geeignet.

Die Vivoactive des US-Konzerns Garmin hingegen ist ein guter Kompromiss zwischen Alltag und Sport und könnte deshalb unter den vielen Dutzend Sportuhren zum Bestseller werden.

Daten und FaktenGarmin Vivoactive
FunktionenGPS-gestützte Messung von Aktivitäten; integrierter Schrittzähler;
Anzeige eingehender Anrufe, SMS, E-Mails, Kalendererinnerungen
Unterstützte SportartenLaufen, Radfahren, Schwimmen und Golfen
Weitere FunktionenIntegrierter Schrittzähler; Anzeige
Akku10 Stunden Laufzeit im GPS-Betrieb, sonst laut Hersteller bis zu drei Wochen
SonstigesWechselbare Armbänder
PreisUVP 249 Euro, mit Brustgurt 299 Euro; online ab ca. 190 Euro

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