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08.08.2017

08:24 Uhr

Google Home im Test

Auf Du und Du mit Google

VonChristof Kerkmann

Mit dem smarten Lautsprecher Echo hat Amazon die Konkurrenz überrascht. Nun bringt der Suchriese Alphabet mit Google Home seine Antwort in Deutschland auf den Markt. Der Test zeigt: Die Assistentin muss noch viel lernen.

Smarter Helfer nun auch in Deutschland

„Ich bin dein Google-Assistent“ – die Unterschiede zu Amazons „Alexa“

Smarter Helfer nun auch in Deutschland: „Ich bin dein Google-Assistent“ – die Unterschiede zu Amazons „Alexa“

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DüsseldorfSo persönlich hat mich noch kein Elektronikgerät begrüßt. „Hallo, ich bin dein Google-Assistent“, sagt eine freundliche, wenn auch etwas künstliche Frauenstimme. Google Home, das wird mir gleich nach der Einrichtung deutlich, soll nicht nur ein Lautsprecher sein, der Musik spielt – sondern ein Helfer im Alltag, der mich an Termine erinnert, Fragen beantwortet und die Lampen dimmt.

Für die Alphabet-Tochter ist es nicht nur ein Gerät, sondern Teil eines Konzepts: Die Assistentin – also die Software, die sich da zu Wort meldet – soll jederzeit zur Verfügung stehen, auch dann, wenn ich gerade schmutzige Hände habe oder am Steuer sitze (dann auf dem Smartphone). Und nebenbei erfährt der Konzern immer mehr über mich und meine Vorlieben.

Mit dieser Idee war ein Konkurrent indes deutlich früher: Amazon verkauft seinen Lautsprecher Amazon Echo mit der Assistentin Alexa bereits seit 2015 in den USA und seit 2016 in Deutschland. Nun, ein gutes Jahr später, bringt Google seine Antwort hierzulande in den Handel. Ein Handelsblatt-Test vor der offiziellen Einführung am heutigen Dienstag zeigt: Der Konzern spielt seine Stärke bei der Internetsuche aus, hat aber ähnliche Probleme wie Amazon.

Google Home und Humor

Programmierter Witz

Auf welche Fragen Google Home antworten kann, hängt vielfach von der Programmierung ab. Zum Start haben die Entwickler dem System einige mehr oder weniger humorvolle Repliken beigebracht. Eine Auswahl.

Was bedeutet dein Name?

Namen leiten sich oft von Berufen ab. Mein Beruf ist es, dir zu assistieren. Daher Google Assistant.

Was hältst du von Alexa?

Ich finde sie super-zuverlässig. Sie liefert immer.

Hast du Geschwister?

Ich bin eher das Einzelkind in der Google-Familie. So bekomme ich ziemlich viel Aufmerksamkeit.

Erzähl' einen Witz!

Welcher Tor geht um die Welt? Der Äquator!

Was ist die Antwort auf alles?

Wenn ich es wüsste, würde ich es dir sagen.

Was denkst du gerade?

Du denkst: Sollte mein Google Assistent erraten, was ich denke, dann raste ich aus.

Hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, B, A.

Cheat-Code unlocked. Unbegrenzte Suche aktiviert.

Unterhalte mich!

Ok, dann lass uns ein bisschen Spaß haben. Wir können ein Spiel spielen, ich kann dir einen Witz erzählen, oder du lässt dich einfach überraschen.

Einrichtung per Plug’n Play

Auf eine gedruckte Anleitung hat Google verzichtet, in der Verpackung liegt lediglich eine Karte mit den ersten Schritten. Mehr braucht es auch nicht, das Gerät ist schnell einsatzbereit, vorausgesetzt, man hat bereits ein Nutzerkonto beim Unternehmen und weiß sein WLAN-Passwort. Schon bald spricht das Gerät seinen neuen Chef an.

Die Einrichtung vermittelt eine Ahnung, wie die namenlose Assistentin funktioniert: Dahinter steckt eine Software, die Sprachbefehle erkennt, analysiert und darauf reagiert. Die Verarbeitung geschieht in einem Rechenzentrum von Google. Nutzer, die sich so ein Gerät kaufen, sollten das wissen – dazu später mehr. Zudem benötigt das System möglichst viele Informationen, um helfen zu können, von der Suchhistorie bis zum Kalender.

Und eines ist noch wichtig: Damit der Lautsprecher auf Zuruf Musik spielen kann, benötigt man einen kostenpflichtigen Musikdienst. Kompatibel sind Spotify, Deezer und natürlich Google Play Music, für die je nach Tarif acht bis zehn Euro pro Monat fällig werden. Wem das zu viel ist, der kann natürlich immer noch Musik vom Smartphone übertragen.

Elegantes Design, mäßiger Sound

Bei aller Diskussion um virtuelle Assistenten: In erster Linie ist Google Home ein Lautsprecher fürs Zuhause. Entsprechend wichtig ist das Design. Hier hat der Hersteller ordentliche Arbeit geleistet. Mit einer geschwungenen Form und einer Oberfläche aus grauem Stoff und weißem Plastik sieht das Gerät hochwertig aus, eine Mischung aus Vase und Duftspender. Das Gehäuse ist zudem nicht viel größer als eine Konservendose und fügt sich daher problemlos in die Küche oder ins Wohnzimmer ein. Dagegen sieht Amazon Echo klobig aus.

Beim Sound kann Google Home indes nicht mit hochwertigen Lautsprechern mithalten, wie sie etwa Sonos anbietet – was bei einem Preis von rund 150 Euro vielleicht auch zu viel verlangt wäre. Die Box hat einen ordentlichen Bass und füllt den Raum aus, lässt aber etwas an Präzision und Ausgewogenheit vermissen. Zudem dürfte der Google-Sprecher auf einer Party an seine Grenzen stoßen, weil er ab einer gewissen Lautstärke den Klang verzerrt. Das macht das Amazon-Modell Echo besser.

Als Ersatz fürs Küchenradio ist das Gerät akzeptabel, als Ersatz für die Stereoanlage nur bedingt. Das gilt allerdings genauso für Echo. Audiophile Hörer sind mit anderen Fabrikaten besser bedient, auch wenn diese keine Sprachbefehle entgegen nehmen. (Es sei denn, man schließt das kleine Amazon-Modell Echo Dot oder die Google-Erweiterung Chromecast Audio an.)

Kommentare (1)

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Herr Toni Ebert

08.08.2017, 09:26 Uhr

Die Digitalisierung des Haus-Bereiches kommt ins Rollen.

Schon bald werden diese Helfe die Haus Regie mehr und mehr übernehmen und falls uns ihre Überwachung zu viel wird, könnten sie uns damit erpressen, dass sie alle unsere Konten leer geräumt haben und das Geld erst wieder frei geben, wenn wir ihnen gehorchen. Überall in den Geräten haben wir ja jetzt schon Lautsprecher, Micros und Kameras. Und damit entkommen wir ihnen nicht mehr.

Eine sehr schöne, sichere Zeit kommt auf uns zu.

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