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01.09.2015

16:23 Uhr

Google veröffentlicht iOS-App

Android-Uhren funktionieren künftig auch mit iPhones

Bei Smartwatches gab es bisher getrennte Welten: Android-Uhren liefen nur mit Android-Telefonen und die Apple Watch nur mit iPhones. Jetzt reißt Google die Mauer ein – allerdings nur ein bisschen.

Die Android-Wear-Geräte für iPhone-Nutzer werden einen geringeren Funktionsumfang haben als die hauseigene Apple Watch. ap

Apple-Kunden als Zielgruppe

Die Android-Wear-Geräte für iPhone-Nutzer werden einen geringeren Funktionsumfang haben als die hauseigene Apple Watch.

Mountain ViewGoogle will Computer-Uhren mit seinem Betriebssystem Android Wear künftig auch an iPhone-Nutzer verkaufen. Eine seit Dienstag verfügbare iPhone-App lässt zunächst drei neue Modelle der Hersteller Asus, Huawei und LG mit dem Apple-Telefon zusammenspielen. Davon kann man allerdings bisher nur die LG Watch Urbane kaufen, die Huawei Watch und die Asus ZenWatch 2 sind noch nicht auf dem Markt. Bisher funktionierten Android-Uhren nur mit Smartphones mit dem Google-System.

Zugleich werden die Android-Wear-Geräte für iPhone-Nutzer einen geringeren Funktionsumfang haben als die hauseigene Apple Watch. Vor allem kann man sich auf den Uhren die Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigen lassen - aber kaum darauf reagieren. Aber iPhone-Apps von Google wie Kalender oder Gmail bieten bereits mehr Möglichkeiten zur Interaktion als andere Anwendungen.

Ältere Modelle von Android-Uhren würden nicht unterstützt, damit die Kunden nicht erst ein Software-Update machen müssten, sagte Google-Manager Jeff Chang dem Technologieblog „The Verge“. Die Geräte laufen mit der neuesten Version von Android Wear, einer verschlankten und auf kleine Bildschirme angepassten Variante des Google-Systems.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Apple-Kunden sind für Google eine gute Zielgruppe: Sie hatten zum Start der hauseigenen Computer-Uhr viele Informationen über die Geräteklasse erhalten. Und die Leute überhaupt erst vom Nutzen einer Smartwatch zu überzeugen ist eine der großen Herausforderungen in dem Geschäft, wie ein Brancheninsider sagt.

Für die nächsten Wochen und Monate wird rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft der Start weiterer Modelle von Android-Uhren erwartet. Die Geräte sind oft günstiger als die Apple Watch, die mindestens 399 Euro kostet.

Die Apple Watch verkaufte sich seit dem Start im April laut Marktforschern bereits besser als Geräte aller anderen Anbieter zusammen. Nach Berechnungen des IT-Marktforschers IDC setzte Apple im vergangenen Quartal 3,6 Millionen Uhren ab. Der Konzern selbst nennt keine Absatzzahlen.

Der Smartphone-Marktführer Samsung, der schon seit zwei Jahren in der Geräteklasse aktiv ist, setzt inzwischen vor allem auf das hauseigene Betriebssystem Tizen.

Von

dpa

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