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19.04.2016

13:24 Uhr

Deutschland liegt bei Industrie 4.0 vorn

Kopf-an-Kopf-Rennen um die digitale Vorherrschaft

VonMartin Wocher

Jede fünfte Firma hat schon erste Maßnahmen ergriffen. Als Automatisierungs-Weltmeister kennen und bauen sie die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen. Die US-Konkurrenz hängt noch zurück.

Alles, was analog war, wird jetzt digital und vernetzt - und der Computer übernimmt immer häufiger die Kontrolle. Getty Images

Alles, was analog war, wird jetzt digital und vernetzt - und der Computer übernimmt immer häufiger die Kontrolle.

DüsseldorfDeutsche und amerikanische Firmen liefern sich seit Jahren schon ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft bei der Digitalisierung der industriellen Produktion. Beide Länder nähern sich dem Thema dabei von unterschiedlichen Seiten: Deutschland als Automatisierungs-Weltmeister kennt und baut die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen.

Der Weg zur Industrie 4.0

1. Industrielle Revolution

Alles begann mit der Dampfmaschine. Sie gab der Industrialisierung den entscheidenden Schub. In den Fabriken war man plötzlich weniger abhängig von menschlicher Muskelkraft. Mechanische Produktionsanlagen fertigten Waren schneller und in größerer Stückzahl als bisher. Als Stichtag gilt der erste mechanische Webstuhl in einer Fabrik im Jahr 1784.

2. Industrielle Revolution

Auf diese erste industrielle Revolution folgten weitere Entwicklungssprünge, jeder ausgelöst durch technologische Fortschritte. So ermöglichte die elektrische Energie Anfang des 20. Jahrhunderts die arbeitsteilige Massenproduktion. Im Jahr 1870 liefen die ersten Fließbänder in den Schlachthöfen von Cincinnati an.

3. Industrielle Revolution

Zu Beginn der 1970er-Jahre zogen Elektronik und Informationstechnologien in die Fabriken ein und sorgten für eine Automatisierung der Produktionsprozesse. Maschinen übernahmen Arbeitsschritte, die zuvor per Hand erledigt worden waren. In dieser dritten Phase des Industrialisierungsprozesses befinden wir uns auch heute noch – und stehen an der Schwelle zur Industrie 4.0.

4. Industrielle Revolution

Die sogenannte Industrie 4.0 steht noch ganz am Anfang und besteht bisher vor allem aus Visionen. Angestoßen wird diese vierte Stufe der industriellen Revolution wieder durch technologischen Fortschritt: Die gesamte Produktionslogik wandelt sich, in der Industrie 4.0 verschmelzen die physikalische und virtuelle Welt. Am Ende steht die vernetzte Fabrik und eine zunehmend autonome Produktions- und Logistikkette, mit Maschinen, Geräten und Produkten, die scheinbar selbstständig arbeiten.

Die Amerikaner wuchten mit dem Pfund ihrer IT- und Softwarekompetenz und beweisen schon bei sozialen Netzwerken und im E-Commerce, wie gut sie mit der Analyse riesiger Datenmengen umzugehen wissen. Doch allen Unkenrufen über manche Zögerlichkeit deutscher Firmenchefs gerade in Sachen Digitalisierung zum Trotz: Derzeit haben deutsche Unternehmen in diesem Rennen (noch) die Nase vorn.

Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft BCG, die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Demnach haben 19 Prozent der deutschen Firmen bereits erste Maßnahmen in Richtung Digitalisierung ergriffen, die amerikanische Konkurrenz kommt auf 16 Prozent. Einen Vorsprung haben sich die Deutschen vor allem bei den Themen Werkslogistik, vorausschauender Service und vernetzte robotergestützte Produktion erarbeitet. So hat fast die Hälfte der deutschen Unternehmen inzwischen erste Konzepte entwickelt, aber nur 29 Prozent der amerikanischen.

Das ergab eine Umfrage unter 315 amerikanischen und 312 deutschen Firmen ab einem Umsatz von 50 Millionen Dollar aufwärts. „Der Ehrgeiz der Ingenieure, aber auch die hohen Arbeitskosten und die Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern geben gerade deutschen Mittelständlern einen großen Anreiz, in 4.0-Lösungen zu investieren“, sagt Markus Lorenz, Maschinenbauexperte bei BCG und einer der Autoren der Studie zur Begründung.

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