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21.04.2017

09:26 Uhr

Digitale Geschäftsmodelle

Wo der wahre Schatz für Maschinenbauer liegt

VonMaxim Kireev

Im Maschinen- und Anlagenbau wird die Datenanalyse zum Wettbewerbsfaktor. Neue Chancen zur Wertschöpfung entstehen. Dennoch lassen sich viele Maschinenbetreiber nicht in die Karten schauen.

Dank schneller Übertragungskanäle werden riesige Datenmengen zusammengeführt, rasant gestiegene Rechenleistung ermöglicht Analysen. Getty Images

Dank schneller Übertragungskanäle werden riesige Datenmengen zusammengeführt, rasant gestiegene Rechenleistung ermöglicht Analysen.

DüsseldorfDie Arbeit läuft fast spielerisch: Wenige Klicks genügen, um alle wichtigen Informationen zum Produktionsstand, zur Auslastung und Profitabilität in Echtzeit zusammenzutragen. Der allwissende Maschinenführer, mehr als eine Vision? Geht es nach Johann Soder, Geschäftsführer des Antriebstechnikherstellers SEW-Eurodrive, darf man sich in seinen Getriebemotoren-Werken tatsächlich fühlen wie im Computerspiel. Er spricht von einer „Gamification“ der Produktion.

Und die steht erst am Anfang: Die Datenflut, die SEW aus der eigenen Produktion abschöpft, nutzt das Unternehmen für Simulationen des gesamten Produktionsablaufs. So können die Experten zunächst virtuell erproben, an welchen Stellschrauben man drehen könnte, um ein noch besseres Ergebnis zu erzielen. Diese Herangehensweise trägt bei SEW bereits Früchte: In der sogenannten Schaufensterfabrik in Graben-Neudorf bei Karlsruhe wird der Verzicht auf das Fließband erprobt. Stattdessen rollen mobile Roboter aus eigener Produktion durch die Gänge.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Während diese Logistikassistenten Werkstücke zwischen Arbeitsstationen hin- und hertransportieren, stehen die Arbeiter an vernetzten Werkbänken. Kommt dort ein zu bearbeitender Getriebemotor an, zeigt die Werkbank bereits den Fertigkeitsgrad, dazu die ausstehenden Montageschritte und die nötigen Teile. Lämpchen im Regal helfen den Monteuren zu erkennen, welches Teil als nächstes benötigt wird.

Geschäftsführer Soder betont, es handle sich um echte Produktion, keinen Testbetrieb. „Der Effizienzgewinn ist enorm“, sagt er. Den Vorsprung will Soder in neues Geschäft ummünzen: „Fließbänder und Fördersysteme werden irgendwann gegen flexible Assistenten das Nachsehen haben, deswegen wollen wir unsere Technologien auch an andere Unternehmen verkaufen.“

Die Industrie steht im Zuge der Digitalisierung vor tiefgreifenden Veränderungen. Dabei geht es längst nicht nur um neue und bessere Anlagen, die eine effizientere Produktion erlauben. Neben der Art zu produzieren verändern sich auch die Geschäftsmodelle, wenn auch die Produkte vernetzt sind und sogar ein Rückkanal zum Endkunden geschaffen ist. Immer wichtiger wird es, an den kritischen Knotenpunkten zu sitzen.

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