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16.04.2016

17:00 Uhr

Domino's in Australien

Wo der Roboter die 3-Minuten-Pizza bringt

Australien steht derzeit an der Spitze der Pizza-Revolution. Die Fastfoodkette Domino's arbeitet dort unter anderem an einem Ofen, der die Pizza in drei Minuten backt. Ausliefern könnte diese dann ein Roboter.

Die Fastfood-Kette Domino's will in Australien mit den Pizzaboten der anderen Art experimentieren. AFP; Files; Francois Guillot

Pizza-Roboter

Die Fastfood-Kette Domino's will in Australien mit den Pizzaboten der anderen Art experimentieren.

Domino’s Pizza Enterprises ist Australiens größte Pizzakette. Der Expansionskurs zeigt Erfolge: Der Aktienkurs ist innerhalb von fünf Jahren um mehr als 800 Prozent in die Höhe geschossen. Nun will das Unternehmen mit seinem Fastfood in neue Dimensionen vorstoßen: zur 3-Minuten-Pizza.

Das Unternehmen erprobt ultraschnelle Backmethoden und militärischen Standards entsprechende Lieferroboter, um die typische Zubereitungs- und Transportzeit um mehr als die Hälfte zu verringern. Das erklärt Konzernchef Don Meij im Gespräch mit Bloomberg sagte. Er bezeichnete es als „Projekt 3-10“: Pizza fertig zum Mitnehmen in drei Minuten oder in zehn Minuten an der Haustür. „Das Wachstum, das daraus entsteht, ist überwältigend“, erklärt der 47-Jährige, der seine Karriere bei Domino’s als Fahrer im Lieferservice begonnen hat.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Meijs Herausforderung besteht darin, das Wachstum beizubehalten, das den Gewinn innerhalb eines Jahrzehnts verzehnfachte und Domino’s in den besten Konsumwert Australiens verwandelte. Nachdem er die Kunden überzeugen konnte, mehr über ihre Mobiltelefone zu bestellen, versucht er sie nun für andere Innovationen zu begeistern, um schneller an ihr Essen zu kommen. Etwa für ein 180 Kilo schweres Roboterfahrzeug, das nach einem Augen-Scan heiße Pizza und kühle Brause herausgibt.

Im Zuge anziehender Gewinne kamen die Domino’s-Anleger in den vergangenen zehn Jahren einen Gesamtertrag von mehr als 2000 Prozent, wie Daten von Bloomberg zeigen. Doch die Erwartungen flauen ab: die Aktie wird Schätzungen zufolge im kommenden Jahr nur um sechs Prozent zulegen, nach durchschnittlichen Kursgewinnen von 60 Prozent in den letzten sieben Jahren. Am Freitag zum Börsenschluss kosteten die Titel in Sydney 55,85 australische Dollar.

Domino’s Pizza Enterprises mit Sitz in Brisbane ist außerhalb der Vereinigten Staaten der größte Franchise-Lizenzinhaber der Pizza-Marke. Neben Niederlassungen in Australien und Neuseeland werden auch Pizzaketten in Japan und einigen europäischen Ländern betrieben. Das Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von knapp 5 Milliarden australischen Dollar, umgerechnet etwa 3,3 Milliarden Euro.

Um Pizza innerhalb von drei Minuten frisch zuzubereiten, werden Meij zufolge neuartige Backöfen benötigt, bei denen Heißluft aus unterschiedlichen Richtungen strömt. Bei ersten Versuchen mit solch einer Technologie habe sich die Backzeit bereits auf vier Minuten halbiert, sagt er. Damit bleibt sein Drei-Minuten-Ziel für die Pizza zum Mitnehmen zwar noch unerreicht, doch Auslieferungen in zehn Minuten sollten seiner Meinung nach bei den meisten Bestellungen in Australien innerhalb von drei Jahren möglich sein.

Domino’s will in diesem Monat in Brisbane einen Testlauf mit Robotern zur Pizzalieferung starten. Die Maschinen sollen 2018 auf den Straßen Australiens unterwegs sein, erklärt er und fügt an, das wäre wirtschaftlicher und sicherer als menschliche Kuriere. Der Roboter kann auf der Fahrt sogar noch die Pizza backen.

Doch das Erreichen seiner jüngsten Ziele ist von der Eröffnung Tausender neuer Standorte abhängig, um die Lieferwege zu verkürzen. „Letztlich brauchen wir mehr Filialen“, sagt Meij. „Wir müssen die Küche näher an den Kunden bringen und die Küche wirklich effizient machen.“ Bis zum Jahr 2025 könnte die Pizzakette weltweit 4250 Restaurants betreiben, hieß es in einer Präsentation von Meij im Februar. Um dieses Ziel umzusetzen – fast 2000 zusätzliche Standorte – müsste Domino’s jeden zweiten Tag eine neue Niederlassung eröffnen.

Das Unternehmen wird kommendes Jahr womöglich mehr Märkte erschließen, erklärt Meij, entweder durch den Kauf bestehender Domino’s-Ketten oder durch die Umwandlung lokaler Pizzafirmen. „Obwohl wir derzeit in drei Regionen der Welt aktiv sind, hätten wir keine Einwände dagegen, in einer vierten zu sein“, sagt der Konzernchef. „Wir wären gerne in mehr Ländern.“

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