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28.04.2016

10:32 Uhr

Fälscher gehen über das Internet

Das hemmungslose Kopieren deutscher Originale

VonMartin Wocher

Insgesamt wird der Schaden durch Produktpiraterie für deutsche Maschinenbauer auf 7,3 Milliarden Euro geschätzt – das entspricht knapp 34.000 Jobs. An der Spitze der Plagiatoren steht China. Betroffen sind auch Daten.

Enorm erleichtert wird das Geschäft der Kopisten aus China durch den Vertrieb der Fälschungen über das Internet. Getty Images

Enorm erleichtert wird das Geschäft der Kopisten aus China durch den Vertrieb der Fälschungen über das Internet.

HannoverDie USA haben im vergangenen Jahr China als wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Maschinen und Anlagen abgelöst - doch in einem unrühmlichen Bereich steht das Reich der Mitte weiter unangefochten an der Spitze: Kein Land kopiert so wild und hemmungslos deutsche Originale. Rund 83 Prozent der deutschen Unternehmen haben entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht, wie eine am Mittwoch auf der Hannover Messe präsentierte Umfrage des Branchenverbandes VDMA ergab - elf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

Die Schwarzmarkt-Preise der Hacker

Kreditkarteninformationen

Vollständige Kreditkartendatensätze gibt es laut dem IT-Sicherheitsdienstleister Symantec im untersuchten Zeitraum von 2009 bis 2010 ab sieben Cent auf Untergrund-Servern von Cyber-Kriminellen. Dabei war die Preisspanne groß. Die Preise für einen Datensatz bewegten laut Symantec sich zwischen sieben Cent und 100 Dollar. Der Handel mit Kreditkartenssätzen macht sind waren im Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2010 die am häufigsten illegal angebotenen Daten. 2009 waren 19 Prozent der illegalen Angebote in den Hacker-Foren Kreditkartensätze, 2010 waren es 22 Prozent.

Online-Banking-Zugänge

Auch der Handel mit Online-Banking-Zugängen spielt eine wichtige Rolle: 16 Prozent der gehandelten Daten waren 2010 Zugangsdaten zu Banking-Accounts, ein Jahr zuvor waren es sogar 19 Prozent. Die Datensätze wurden im Schnitt zu deutlich höheren Preisen angeboten als die Kreditkarteninformationen. 10 bis 900 Dollar erzielt Symantec zufolge ein Datensatz auf dem Schwarzmarkt.

E-Mail-Accounts

Der Zugang zu E-Mail-Account wurden mit Preisen zwischen einem und 18 Dollar gehandelt. 2009 bezogen sich sieben Prozent der illegalen Angebote auf E-Mail-Accounts, 2010 waren es zehn Prozent.

Attack-Programme

Programme zum Attackieren von Websites spielten 2009 noch kaum eine Rolle auf dem Schwarzmarkt: nur zwei Prozent der Angebote bezogen sich darauf. 2010 waren es aber schon sieben Prozent. Die Programme wurden für fünf bis 650 Dollar gehandelt.

E-Mail-Adressen

E-Mail-Adressen zum Versenden unerwünschter Werbung (Spam) sind in Hacker-Foren Dutzendware: Der Preis für E-Mail-Adressen berechnet sich pro Megabyte an Daten. Ein Megabyte enthält Zehntausende E-Mail-Adressen. Für ein Megabyte an Adressdaten zahlten Spammer in Hacker-Foren zwischen einem Dollar und 20 Dollar. 2009 bezogen sich sieben Prozent der Angebote in den Hacker-Foren auf E-Mail-Adress-Listen, 2010 waren es fünf Prozent.

Gefälschte Kreditkarten

Falsche Kreditkarten mit echten Personen-Daten, sogenannte Credit Card Dumps, gibt es Symantec zufolge schon ab 50 Cent zu kaufen. Die teuersten Karten gingen für 120 Dollar pro Stück über den virtuellen Tresen. Das Angebot an gefälschten Kreditkarten ist von 2008 auf 2009 kräftig gewachsen: von zwei auf fünf Prozent der gehandelten Waren. 2010 hielt blieb der Wert bei fünf Prozent stabil.

Komplette Identitäten

Name, Adresse, Geburtstag, Kontoverbindung - solche kompletten Datensätzen einer Person lassen sich von Cyber-Kriminellen beispielsweise für Bestellungen missbrauchen, die nie bezahlt werden. Vollständige Identitäten können die Betrüger in Hacker-Foren kaufen - laut Symantec schon ab 70 Cent. Die teuersten Datensätze wurden für 20 Dollar gehandelt. Das Angebot stieg von 2008 auf 2009 von vier auf fünf Prozent der gehandelten Daten.

Shell-Skripte

Shell-Skripte sind einfache Programme, die bestimmte Aufgaben erledigen. Auch sie können zum Hacken genutzt werden, beispielsweise, indem ein Shell-Programm sämtliche Wörter eines Wörterbuchs als Passwort ausprobiert. Für die kleinen Programme wollten Hacker zwischen zwei und sieben Doller haben. Das Angebot an Shell-Skripten ging von 2009 auf 2010 zurück: von sechs auf vier Prozent der gehandelten Waren.

Die vollständige Liste finden Sie unter www.symantec.com.

"Das ist ein absoluter Rekordwert", sagte Steffen Zimmermann, VDMA-Geschäftsführer für Produkt- und Know-how-Schutz. Insgesamt wird der Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie allein für deutsche Maschinenbauer auf 7,3 Milliarden Euro geschätzt - das entspricht knapp 34.000 Jobs.

Enorm erleichtert wird das Geschäft der Kopisten aus China durch den Vertrieb der Fälschungen über das Internet. Entsprechende Plattformen wie Alibaba würden genutzt, Plagiate gleich in Größenordnungen von manchmal zehntausend Stück weltweit anzubieten, sagte Zimmermann. Bevor jemand Einspruch erheben könne und das dubiose Angebot von der Website genommen würde, seien schon erhebliche Stückzahlen verkauft. "Früher wurden viele Plagiate für den Eigenbedarf in China produziert, heute steigt der Anteil der Produkte, die weltweit vertrieben werden."

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