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11.04.2015

15:50 Uhr

Gastkommentar zu Indiens Reformkurs

Aufbruch in eine neue Ära

VonMichael Menhart

Indien hat sich vom Sorgenkind zum Musterknaben unter den BRIC-Staaten gemausert. Neu-Premier Modi brachte mutig ein Reformpaket auf den Weg. Das verdient Anerkennung, doch nun muss er zeigen, dass er den Kurs halten kann, findet Munich-Re-Chefvolkswirt Michael Menhart. Ein Gastkommentar.

Premier Narendra Modi gibt seinem Land einen strengen Reformkurs vor. Er will Indien wirtschaftlich voran bringen. AFP

Neue Wege für Indien

Premier Narendra Modi gibt seinem Land einen strengen Reformkurs vor. Er will Indien wirtschaftlich voran bringen.

Der indische Premierminister Narendra Modi eröffnet am Sonntag gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die weltweit wichtigste Industriemesse in Hannover. Der Besuch ist auch ein Signal für die ehrgeizigen wirtschaftspolitischen Ziele des seit Mai 2014 amtierenden indischen Regierungschefs. Keine der zehn größten Volkswirtschaften weltweit wird voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren stärker wachsen als Indien. Manche sehen das nach China bevölkerungsreichste Land der Erde mit seinen gut 1,2 Milliarden Einwohnern auf dem besten Weg zum neuen Musterknaben unter den Schwellenländern.

Der Gastautor ist Chefvolkswirt bei der Munich Re.

Michael Menhart

Der Gastautor ist Chefvolkswirt bei der Munich Re.

Lange Zeit war Indien die große Enttäuschung unter den sogenannten BRIC-Staaten, doch die Vorzeichen haben sich geändert: Die Rolle des Sorgenkindes hat Russland aufgrund seines desaströsen wirtschaftlichen und politischen Kurses vermutlich langfristig übernommen. Brasilien kämpft gegen die Rezession, und China mit der Transformation seiner Volkswirtschaft in Richtung eines zukunftsfähigen Wachstumsmodells. Allein für Indien hat sich der Ausblick verbessert.

Natürlich bleiben Zweifel an der Robustheit des indischen Aufschwungs. Als einer der größten Ölimporteure weltweit profitiert das Land substanziell vom Ölpreisverfall – und einen erneuten Preisanstieg bekäme es ebenso zu spüren. Erst wenn die US-Notenbank dieses Jahr den Leitzins wirklich erhöht, wird sich zeigen, ob Indien weniger anfällig für externe Schocks ist als noch vor zwei Jahren. Damals brachten Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern die Wirtschaft in Schwierigkeiten und setzten die Rupie unter Druck. Weiteres Risiko sind die politischen Spannungen mit den Nachbarländern.

Premierminister Narendra Modi muss der Spagat gelingen zwischen einer investitionsfreundlichen Wirtschaftspolitik und der Armutsbekämpfung. Am derzeitigen Aufschwung müssen mehr Menschen partizipieren als das in der Vergangenheit der Fall war. Seine umfangreichen und mutigen Reformvorhaben brachten auf jeden Fall einen Stimmungsumschwung. Ausufernde Bürokratie, eine marode Infrastruktur sowie eine reformunfähige Politik hemmten jahrelang Wachstum und Investitionen in Indien. Mit Modi soll sich das ändern; er will beispielsweise die Unternehmenssteuer senken, die Mehrwertsteuer landesweit harmonisieren, Subventionen abbauen und Staatsbetriebe privatisieren.

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