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21.04.2017

12:39 Uhr

Hannover Messe

Auf Smart Data kommt es an

VonMartin Wocher

Die Hannover Messe startet am Sonntag und zeigt, wie sehr die Industrie von IT und Software geprägt ist – Microsoft, SAP & Co. erhoffen sich davon große Geschäfte. Die individuellen Wünsche der Kunden sind die Zukunft.

Die Aufbauten der weltgrößten Industriemesse Hannover 2017 gehen voran: Die IT- und Softwarekonzerne suchen dort ihre Kunden, um die industrielle Massenfertigung in eine individuelle Produktion zu transformieren. dpa

Hannover Messe

Die Aufbauten der weltgrößten Industriemesse Hannover 2017 gehen voran: Die IT- und Softwarekonzerne suchen dort ihre Kunden, um die industrielle Massenfertigung in eine individuelle Produktion zu transformieren.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie stark IT und Software mittlerweile die klassische Industrie dominieren – die am Sonntagabend startende Hannover Messe zeigt es: Ob IBM, SAP, Microsoft oder auch Amazon – noch nie waren so viele Unternehmen mit ihren digitalen Produkten und Lösungen auf der weltgrößten Industrieschau vertreten wie in diesem Jahr. Wünschen vieler IT- und Softwareaussteller nach zusätzlicher Standfläche konnte die Messegesellschaft nicht nachkommen – es ist einfach kein Platz mehr da. Der Run, der auch die nächsten Jahre anhalten dürfte, überrascht nicht: Microsoft, SAP & Co. versprechen sich von Kooperationen mit der Industrie große Geschäfte.

Zwar läuft schon jetzt keine Fabrik oder Produktionsanlage mehr ohne IT-Steuerung, wird kaum ein industrielles Produkt noch ohne digitalen Fußabdruck ausgeliefert. Ob es nun um die Konzeption und Konstruktion am Computer geht oder um die Ausstattung einer Maschine mit Sensoren, die fleißig Daten für eine vorausschauende Wartung liefern – alles läuft nur dank ausgeklügelter Software.

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Doch das ist erst der Anfang: Schon bald soll die komplette Produktionskette von Auftragseingang bis zur Auslieferung im virtuellen Raum abbildbar sein, soll jedes Produkt ob Baukran oder Kinderfahrrad munter Daten funken. Die IT- und Softwarekonzerne liefern die Werkzeuge und stellen in der Cloud die Rechenleistung zur Verfügung, in der die gigantischen Datenmengen gesammelt und ausgewertet werden.

Die Wertschöpfung in der Industrie wird von den neuen digitalen Möglichkeiten bestimmt: Eine gute Maschine zu bauen reicht nicht mehr. Sie aber digital zu vernetzen und sich neue Geschäftsbereiche rund um Service und Dienstleistungen zu erschließen – damit wird in Zukunft das Geld verdient.

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Die Anfänge sind gemacht: In vielen Industriestaaten wie in Deutschland sind entsprechende Insellösungen entstanden, in denen eine digitale Vernetzung schon im Alltag eingesetzt wird. Bislang aber eben nur dort.

Siemens hat es in seiner digitalen Musterfabrik in Amberg vorgemacht. Oder der Antriebsspezialist SEW Eurodrive, der in der badischen Provinz jeden Tag dank einer digital gesteuerten und hochflexiblen Produktion 2.600 individuelle Getriebemotoren herstellt. Doch das sind Einzelfälle, von einer flächendeckenden Verbreitung ist die Industrie noch weit entfernt. Auch deshalb suchen die IT- und Softwarekonzerne ihre Chance auf der Hannover Messe.

Die Industrie profitiert enorm von einer solchen Kooperation: Wenn alles mit allem vernetzt ist und schon im virtuellen Raum getestet werden kann, ob etwa eine neue Fertigungsstraße funktioniert, erhöht sich die Effektivität, sinken die Anlaufkosten. Neue Produkte lassen sich schneller und damit preiswerter auf den Markt bringen. Die Unternehmen werden in die Lage versetzt, flexibler zu reagieren. Gleichzeitig können sie eine deutlich größere Variationsbreite anbieten, weil es nun möglich ist, schon bei einer Losgröße eins wirtschaftlich und günstig zu produzieren.

Denn das ist der Trend: Die industrielle Massenfertigung hat ausgedient, individuellen Produkten nach den Wünschen der Kunden gehört die Zukunft. Davon profitieren auch Entwicklungen wie der 3D- Druck. Neue Fertigungsverfahren in der Lasertechnologie, aber auch der direkte Transfer von Daten aus dem Konstruktionscomputer in den 3D-Drucker haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, komplexe Bauteile für die Industrie genauso wie hippe Turnschuhe zu fertigen.

Die deutsche Industrie ist für diese Herausforderung gewappnet. Sie hat es bislang gut verstanden, IT- und Softwarelösungen in ihre Produkte zu integrieren und auch den Mehrwert daraus abzuschöpfen. Ausschlaggebend ist das tiefe Wissen über die Funktionsweise der Maschine: Nur wer die versteht, kann mit den gelieferten Informationen auch was anfangen. So reicht es nicht, beliebig viele Maschinendaten durch Algorithmen auswerten zu lassen, um rechtzeitig zu erkennen, wann ein Ausfall droht. Man muss schon die Toleranzen kennen und Erfahrungen mitbringen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das haben viele US-Konzerne erkannt: Big Data mag das richtige Schlagwort für konsumorientierte Produkt- und Kundenanalyse sein. Smart Data, die zielgerichtete Auswertung der gewonnenen Informationen, ist für die Industrie weitaus sinnvoller.

Denn der Erfolg der deutschen Industrie zeigt sich auch darin, dass die großen amerikanischen IT- und Softwarekonzerne wie IBM und Microsoft viele Kompetenzen, die sich um das Internet der Dinge drehen sollen, in ihre deutschen Standorte verlegen. Selbst Siemens-Konkurrent GE will den weltweiten Sitz seiner 3D-Druck-Fertigung in Deutschland ansiedeln. Das zumindest ist ein Hinweis darauf, dass es um die digitale Kompetenz des Standorts Deutschland so schlecht nicht bestellt sein kann.

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