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27.04.2016

18:39 Uhr

Hannover Messe

Die Google-Suche

VonFranz Hubik

Egal ob Siemens, Volkswagen oder Microsoft – große Konzerne setzen bei der weltgrößten Industriemesse auf bombastische Shows. Google, ein weiterer Riese, tritt dagegen bewusst als Zwerg auf. Eine Erfolgsstrategie.

Auf der Hannover Messe muss man schon suchen, um den Internetriesen Google zu finden. dpa

Wo ist Google?

Auf der Hannover Messe muss man schon suchen, um den Internetriesen Google zu finden.

HannoverWer die Dependance des Suchmaschinengiganten Google auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover finden möchte, braucht schon ziemlich gute Augen. Während deutsche Paradekonzerne wie Siemens oder amerikanische Milliardenunternehmen wie Microsoft mit pompösen Ständen in Niedersachsens Landeshauptstadt aufwarten, gibt sich Google ganz bescheiden. Lediglich mit zwei kleinen, unscheinbaren Messeständen – flächenmäßig jeweils nur etwa so groß wie eineinhalb Pkw-Parkplätze – präsentiert sich der kalifornische Konzern in Halle 3.

Google hat sich im Umfeld von Dutzenden Startups und dem Stand des US-Handelsministeriums positioniert. Ein paar handverlesenen Jungunternehmen bietet der Konzern kostenfrei eine Plattform, um sich zu präsentieren. Junge, freundliche Gesichter laden zum gemütlichen Kennenlernen. Kredenzt wird die Szenebrause Fritz-Kola. Jeder duzt sich. Wer Interesse hat, kann gleich an einer „Wissensreise“ teilnehmen. Halbstündlich bis stündlich hält Google im kleinen Kreis Workshops für Mittelständler und Gründer ab, bei denen Alt wie Jung die Internetwelt nähergebracht wird. Ganz altruistisch geht es dem Konzern dabei darum kostenfrei „geballtes Wissen“ vermitteln.

Auf der Hannover Messe präsentiert sich Google zurückhaltend.

Riesenfirma mit Zwergenstand

Auf der Hannover Messe präsentiert sich Google zurückhaltend.

Geld ist nicht alles, erfahren die Zuhörer. Zumindest nicht, wenn Unternehmen bei Google werben möchten. Denn wer am meisten zahlt, bekommt nicht automatisch die beste Anzeigenposition auf den Suchergebnisseiten des Konzerns. Es komme auch auf die Qualität der Werbebotschaft an. Firmen, die sich Zeit nehmen und echte Gedanken machen, wie sie ihre Zielgruppe am besten ansprechen, werden dafür belohnt. Nicht derjenige, der am lautesten SCHREIT, steht also in der Liste ganz oben. Das Verb „schreit“, betont der Google-Instrukteur eindringlich – wohl um auf eine besonders plump werbende Firma hinzuweisen. Den Namen des Unternehmens muss er nicht nennen. Allen Anwesenden ist ohnehin klar, dass es um den Internet-Modehändler Zalando geht. 

Die Stimmung ist herzlich familiär. Fragen werden schnell und der Mimik der Zuhörer zufolge verständlich beantwortet. Es folgt eine Einladung nach dem  Kurzworkshop doch auch mal in einem der Trainingszentren von Google vorbeizukommen. Binnen eines Tages weiteren Trainings, so wird es versprochen, hätte man genügend Know-how, um das Online-Marketing etwa eines kleinen Mittelständlers gut managen zu können. Bis Ende 2016 will Google in seinen Trainingszentren rund eine Million Europäer „digital weiterbilden“ – zum Nulltarif. Doch was bringt dem Tech-Giganten all das eigentlich?

Präsenz, heißt es lapidar. Denn obwohl jeder Google kennt, wissen nur die wenigsten über alle Produkte des Konzerns wirklich Bescheid. Im beschaulichen Zwiegespräch kommen Themen wie Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung besser an als in den öden Massenvorträgen, die sonst überall auf der Messe stattfinden. Der Riese Google, Börsenwert eine halbe Billion Dollar, tritt in Hannover bewusst als Zwerg auf.

„Traditionskonzerne denken immer: Je größer desto besser“, sagt Daniel O. Schindler. Der Schweizer Markenexperte ist überzeugt: „Den ganzen Klimbim braucht man nicht“. Es gebe weltweit das Bedürfnis zum direkten Dialog. Persönlich statt anonym. Google habe diesen Trend erkannt. „Das Weiterbildungskonzept von Google ist viel effizienter als die großkotzigen Messeshows von anderen riesigen Konzern“, erklärt Schindler. Es gehe um einen zielgruppenorientierten Austausch, bei dem etwas hängenbleibt. Bei Nachfragen im Nachgang der Messe gebe es direkte Ansprechpartner. „Wenn ich bei anderen Konzernen hinterher Fragen habe, muss ich mich von einer Callcenter-Schleife zur nächsten hanteln.“

Google habe einen derart hohen Bekanntheitsgrad, da bringe es dem Unternehmen nichts, sich selbst riesig darzustellen. Ein kleiner Messestand erziele, so Schindler, vielfach eine bessere Wirkung als so manch große Show.

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