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28.04.2016

06:40 Uhr

Industrie 4.0

Daten-Designer, dringend gesucht

VonAxel Höpner

Die zunehmende Vernetzung verändert die Industrie grundlegend. Sie schafft aber auch ganz neue Berufsbilder. Unternehmen sind nun dringend auf der Suche nach Daten-Designern und Plattform-Experten.

Die zunehmende Vernetzung der Industrie schafft neue Berufsfelder. dpa

Besucher der Hannover Messe

Die zunehmende Vernetzung der Industrie schafft neue Berufsfelder.

HannoverTechnologisch steht die Industrie 4.0, also die vollständige Vernetzung von Entwicklung bis zur Produktion, vor dem Durchbruch. Doch der Weg zum flächendeckenden Einsatz ist lang. „Die Konzerne kratzen noch an der Oberfläche“, sagt Alexander Vocelka von der Beratungsfirma Horvath Partners dem Handelsblatt. Big Data sei erst bei etwa fünf Prozent der Unternehmen wirklich Teil des operativen Geschäftsmodells. Es gehe nicht nur darum, möglichst viele Daten zu sammeln. Diese müssten integriert, analysiert, visualisiert und für Projektionen genutzt werden. „Wir müssen den Rohstoff Daten als vierten Produktionsfaktor verstehen, neben Kapital, natürlichen Ressourcen und menschlicher Arbeitskraft.“

Für die Auswertung und Nutzung der Daten werden auch andere Qualifikationen benötigt. In einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zur Hannover Messe gaben 94 Prozent der Unternehmen an, dass die Arbeit in der vernetzten Fabrik verstärkt interdisziplinäre Kompetenzen verlangt. Dabei entstehen ganz neue Berufsbilder. „Machine-to-Machine Software-Entwickler, Data Scientists, IT-Sicherheitsexperten, Human-Machine Interaction Designer oder Plattform- und Ökosystem-Experten werden künftig in jeder Fabrik gefragt sein“, drückt es Bitkom-Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger aus.

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Noch fehle vielerorts die Expertise, um aus Daten nutzbare Information zu extrahieren, sagt auch Berater Vocelka. Die Steuerung von Unternehmen werde in den nächsten Jahren stärker mathematisiert. Im Top Management werde es daher künftig mehr Mathematiker und Physiker geben. Gefragt sei das neue Berufsbild eines Datenwissenschaftlers. Eine kritische Masse an Experten für Big Data und Algorithmen gebe es heute erst in einer Handvoll Unternehmen weltweit.

Das Berufsbild des Daten-Analytikers gibt es schon lange, gefragt sind sie zum Beispiel bei Banken und Versicherungen. Künftig sind nach Einschätzung von Experten aber noch mehr interdisziplinäre Fähigkeiten gefordert – und Fantasie, was man mit den gewonnenen Daten überhaupt anfangen kann. Inzwischen gibt es viele Initiativen. So hat zum Beispiel der Software-Hersteller SAS eine „Academy for Data Science“ gestartet.

Horvath bietet Unternehmen in einem sogenannten „Steering Lab“ an, deren Daten zu analysieren und mit externen Daten anzureichern. Mit Hilfe von komplexen Modellen und speziell entwickelten Algorithmen optimierte das Labor so zum Beispiel die Logistik eines Industrieunternehmens. Dabei lernen die Algorithmen selbstständig dazu. So können zum Beispiel Maschinenbauer ihren Auftragseingang vorhersagen und entsprechend die Produktion optimal planen.

In Sachen Big Data sieht Vocelka noch einen Vorsprung von zwei bis drei Jahren in den USA. Dort sei dank Google das Berufsbild des Datenwissenschaftlers erst entstanden. Deutschland und Europa könnten aber in Sachen Datenschutz punkten und würden sich zudem besser mit den industriellen Prozessen auskennen.

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