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19.04.2016

16:21 Uhr

Industrie 4.0

Trumpf will Werke in fünf Jahren digitalisieren

Der Maschinenbauer Trumpf will beim Thema Industrie 4.0 vorneweg gehen. In nur fünf Jahren soll die industrielle Fertigung des Traditionsunternehmens komplett digitalisiert werden.

Ein Trumpf-Mitarbeiter arbeitet in einer Produktionshalle der Firma in Ditzingen (Baden-Württemberg) an einem Laser-Roboter. dpa

Maschinenbauer Trumpf

Ein Trumpf-Mitarbeiter arbeitet in einer Produktionshalle der Firma in Ditzingen (Baden-Württemberg) an einem Laser-Roboter.

DitzingenDer Maschinenbauer Trumpf will seine komplette Produktion in fünf Jahren mit Hilfe von digitalen Prozessen steuern. Dann seien die Industrie-4.0-Konzepte durchgängig eingesetzt und wirksam, sagte der für den Werkzeugmaschinenbereich zuständige Geschäftsführer Mathias Kammüller am Dienstag in Ditzingen.

Unter Industrie 4.0 versteht man in Deutschland die Digitalisierung der industriellen Fertigung. Indem beispielsweise Produktionsteile mit Sensoren und Chips ausgestattet werden, kann die Produktion an Computern komplett geplant werden, um Maschinen so zu steuern.

„Mit derartigen Anwendungsfällen können wir es schaffen, die Produktivität in den nächsten Jahren um bis zu 30 Prozent zu steigern“, sagte Kammüller ohne konkrete Zahlen zu nennen. Außerdem könnten Fehlerquoten in der Produktion, Kosten und Materialbedarf gesenkt werden. In den Werken von Trumpf laufen bislang drei Pilotprojekte. In der Blechfertigung hat das Unternehmen eine ganze Produktionseinheit auf digitale Abläufe umgestellt.

Auf der anderen Seite ist Trumpf auch dabei, seinen Kunden Lösungen für die Industrie 4.0 anzubieten. Auf eine Stunde Bearbeitungszeit kämen in der Produktion in der Regel vier Stunden Planung, sagte Kammüller. Dort liege großes Optimierungspotenzial. Im Herbst hatte der Spezialist für Werkzeugmaschinen und Laser ein Start-up namens Axoom mit inzwischen 40 Mitarbeitern gegründet, das eine Plattform für Software zur Planung von Produktionsabläufen anbietet.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Für das noch bis Ende Juni laufende Geschäftsjahr rechnet Kammüller trotz anhaltender Unsicherheiten mit einem Wachstum und einer operativen Rendite auf Vorjahresniveau. Seine Frau, Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, hatte im Herbst noch gewarnt: Geopolitische Krisen und Vorfälle wie der VW-Skandal machten das Geschäft wenig planbar.

Bislang seien die Geschäfte gut verlaufen, sagte Kammüller, die Unsicherheit bleibe aber. Im vorherigen Geschäftsjahr 2014/2015 waren Trumpfs Erlöse um fünf Prozent auf 2,7 Milliarden Euro angewachsen. Vorläufige Geschäftszahlen legt Trumpf üblicherweise im Juli vor.

Zuletzt beschäftigte Trumpf weltweit zuletzt rund 11.000 Mitarbeiter – etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Dabei habe Trumpf seine Produktivität gesteigert und Arbeiten weggefallen lassen. Auch in Bereichen, in denen Industrie 4.0 eingeführt werde, könnten Stellen gespart werden, sagte Kammüller. Die Firma beschäftige die Mitarbeiter aber auf anderen Posten.

Von

dpa

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