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01.04.2015

15:26 Uhr

Industrie 4.0

US-Firmen machen Deutschland Mut

VonTill Hoppe

Die deutsche Wirtschaft kann auch im digitalen Zeitalter weltweit bestehen – zumindest aus US-amerikanischer Sicht. Im Land setzt sich unterdessen eine weitaus sorgenvollere Debatte fort.

Aus Sicht US-amerikanischer Firmen wird sich die deutsche Wirtschaft auch in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung als Standort beweisen können. dpa

Aus Sicht US-amerikanischer Firmen wird sich die deutsche Wirtschaft auch in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung als Standort beweisen können.

BerlinSeit Monaten diskutieren Politik und Wirtschaft sorgenvoll darüber, ob die deutsche Industrie ihre Stärke über die digitale Revolution wird retten können - vor allem die amerikanischen Internetriesen werden von vielen als Bedrohung wahrgenommen. Ausgerechnet die hier ansässigen US-Konzerne sprechen Deutschland jetzt Mut zu: In einer Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) trauen knapp drei Viertel der Unternehmen der deutschen Wirtschaft zu, ihre Position im Digitalzeitalter zu verteidigen.

Die positive Prognose fußt aber mehr auf grundsätzlicher Wertschätzung der deutschen Industrie als auf dem bereits Erreichten – nur eine kleine Minderheit der US-Firmen hält den Standort schon für reif für die einsetzenden Umwälzungen. Das allein sei aber noch kein Grund zur Sorge, sagte Cavin Pietzsch, Deutschlandchef der Energiesparte von General Electric (GE): „Die Deutschen gehen Neues häufig vorsichtig an, das ist aber zugleich eine Stärke, weil sie ihr Geschäftsmodell sorgfältig aufstellen.“

Auch BDI-Präsident Ulrich Grillo zeigt sich selbstbewusst: „Die USA haben vielleicht das eine oder andere Unternehmen, das im Internet die Nase vorn hat. Aber bei der digitalen Steuerung der Industrieproduktion ist Deutschland stark“, sagte er dem Handelsblatt. Allerdings tun sich besonders Mittelständler bislang schwer, auf Neuerungen wie Cloudcomputing oder Big Data zu reagieren. In einer kürzlich veröffentlichten BDI-Studie hatten sich etwa nur ein Viertel der befragten Maschinenbauer eine hohe digitale Reife attestiert. Hier sei auch die Bundesregierung gefordert, in die Aufklärung zu investieren, sagte GE-Manager Pietzsch. Weiteren politischen Nachholbedarf sehen die 43 befragten US-Konzerne beim Ausbau des schnellen Internets und der Digitalkompetenz der Beschäftigten. Zudem fordern sie europaweit einheitliche Datenschutzvorschriften.

Die schwarz-rote Koalition hat sich der Themen im Rahmen ihrer „digitalen Agenda“ angenommen. So sollen etwa bis 2018 überall im Land schnelle Internetverbindungen verfügbar sein – ob das gelingt, ist allerdings mehr als fraglich. Zudem brachten Union und SPD am Donnerstag einen „Pakt für digitale Bildung“ in den Bundestag ein. Er soll dabei helfen, die bislang im internationalen Vergleich nur mittelmäßigen Computerfähigkeiten deutscher Schüler zu verbessern.

Insgesamt sind die US-Firmen mit dem Standort Deutschland weiterhin hochzufrieden. Die steigenden Arbeits- und Energiekosten infolge von Rentenpaket und Energiewende drücken die Stimmung aber: Ein Drittel der Unternehmen erwartet schlechtere Rahmenbedingungen, nur jeder Zehnte eine Verbesserung. "Der Standort braucht eine aktive Industrie- und Wirtschaftspolitik", mahnte Bernhard Mattes, Präsident der AmCham und Ford-Deutschlandchef.

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